(Illustriert
von MGB)
Aufbruch
gegen den Feind des Landes und des Glaubens.

Die
Hörner tönten, die Fahnen wehten dem Heere voraus gegen den Feind
des Landes und des Glaubens. Im Wonnegau, den die Dordogne bewässert,
wurde man des Feindes ansichtig. Karl selbst ritt auf die Späh, und
als er die Lagerung der Mohren überschaut hatte, schritt er folgenden
Tages zum Angriff von zwei Seiten. Der Kampf war entsetzlich; die Mohren
stürmten an und flohen und kehrten auf ihren Rennern der Wüste
im Fluge wieder und überschütteten die fränkischen Streiter
mit Wolken von Geschossen. Aber Roland, Olivier, Ogier, selbst der Erzbischof
Turpin und die anderen Paladine drangen mit ihren Mannen unaufhaltsaltsam
vorwärts. Ihren Schwertern erlagen die Feinde in großer Zahl,
und am Abend war ihre Niederlage entschieden. Ihre Flucht ging ohne Unterbrechung
durch die Engpässe des Gebirges bis gen Pampeluna, wo ein neues Aufgebot
aus Afrika sie aufnahm. Eigoland brannte vor Begierde, die Schmach zu rächen,
und mit ihm die Söhne der Wüste, die voll Vertrauen auf ihre
unermeßliche Menge und ihre Waffenübung den Kampf begehrten.
Ihre
Flucht ging ohne Unterbrechung durch die Engpässe des Gebirges bis
gen Pampeluna, wo ein neues Aufgebot aus Afrika sie aufnahm.

Der
große Karl rückte mit seinem siegesfreudigen Heer heran, doch
zögerte er, die Übermacht scheuend, mit dem Angriff. Er erwartete
noch Mannschaften aus Frankenland und Hilfsvölker von Marsilio, der,
obwol ein Heide, ehemals ihm Schutz gewährt hatte. Er schickte Boten
an ihn ab allein bald erhielt er Kunde, der ungetreue König habe die
abgesandten Männer ermorden lassen und sich mit dem Feinde vereinigt.
Sobald Karl die üble Botschaft vernahm, ließ er seine Räte
und Helden berufen, um ihre Meinung zu hören, ob man gegen die ungeheure
Übermacht eine Schlacht wagen solle.
"Kein Verzug", rief der kühne
Roland. Vor uns liegt der Sieg oder die Wonne des Paradieses, wer ist,
der zurückweicht? - Die Helden alle stimmten ihm bei, und alsbald
luden die Heerhörner zum blutigen Spiel.
Wohl kämpft Eigoland mit unverzagtem
Mut und ordnete seine zahllosen Streiter, um die Franken von allen Seiten
zu umschließen; wohl stürmten diese kühn in den Streit.
Sie können jedoch den todesmutigen Gläubigen nicht lange widerstehen:
ihre Reihen werden durchbrochen, sie weichen, sie fliehen. Eigoland selbst
fällt, von einem Speer durchbohrt, und mit lautem Feldgeschrei verfolgen
die fränkischen Krieger den geschlagenen Feind. Da wirft sich ihnen
ein grauenhafter Unhold entgegen, der Feracut, der über das Volk hervorragt
wie ein Turm über das Häuser einer Stadt. Rosse und Reiter stülpt
er um, als seien es Kegel, und die Gefallenen zermalmt er mit seiner Keule.
Er trifft auf Roland. Auch ihn wirft er zu Boden; er will ihn wegen seiner
glänzenden Rüstung als Spielding mitnehmen. Wie er sich aber
bückt, faßt ihn der Held am Bart, reißt ihn nieder und
durchbohrt ihn mit seinem guten Schwerte Durindart.
Der
grauenhafte Unhold Feracut im Kampf gegen Roland.

DieFeinde
flohen nach allen Seiten, und da ihnen die Sieger rastlos nachagten, so
wurden sie völlig aufgerieben. Wohin der große Kaiser kam, unterwarf
sich alles Land. Nur das starke, fast uneinnehmbare Saragossa war noch
unangetastet, und dahin hatte sich der ungetreue Marsilio zurückgezogen,
da ihm sein Lehnsherr Baligant, der Kalif von Babylon, Hilfe zugesagt hatte.
Kaiser Karl, der sich des früher genossenen Schutzes noch immer erinnerte,
beschloß, nicht mit Strenge, sondern mit möglichster Schonung
gegen ihn zu verfahren. Er meinte, nach dem großen Sieg werde der
ungetreue Mann seine Boten glimpflicher behandeln als die früheren,
und gab daher dem vielerfahrenen und verschlagenen Ganelon, einem seiner
Paladine, den Auftrag, von dem König Unterwerfung und Annahme der
Taufe zu fordern. Der weidliche Degen hätte gern abgelehnt, weil die
Botschaft leicht den Kopf kosten konnte. Indessen war dem Befehl nicht
zu widersprechen; er machte sich daher auf den Weg.
Marsilio
empfing den Gesandten und sein Gefolge mit Ehren.

Marsilio
empfing den Gesandten und sein Gefolge mit Ehren; er hörte den Antrag
demütig an und bat nur um Bedenkzeit, um sich mit seinen Getreuen
zu beraten. Nach reichlicher Bewirtung führte er Ganelon in seinen
Gärten und Schlössern umher und zeigte ihm auch seine unermesslichen
Schätze. Lüsterne Blicke warf der Bote auf die Vasen und gefüllt
mit blanken Byzantinern, Zechinen und anderen Gold - und Silbermünzen,
die reihenweise, gleich Kriegshaufen, in den Sälen aufgestellt waren.
Auch köstliche Gewänder, blanke Rüstungen fanden sich da
in Menge, desgleichen Becher und Krüge von lauterem Golde. Er
meinte, mit solchen Reichtümern könne man Heere und Helden gewinnen,
sofern man sie weislich anwende. Dagegen sprach Marsilio, er wünsche
nur ihn zu gewinnen, er scheine ein verständiger Mann, der das Gold
zu schätzen wisse. Wende er von ihm die Rache Karls und die Untertänigkeit
ab, so wolle er ihm drei mit Gold, drei mit Silber und drei mit Gewändern
beladene Säumer zustellen. Ganelons Augen blitzten vor Begierde. Er
versprach, was der Heide begehrte; ja, er versprach noch mehr für
die doppelte Zahl von Säumern: Er wollte einen Teil des Frankenheeres
anscheinend zur Bewachung des eroberten Landes, nach des Kaisers Heimkehr
zurückhalten, so daß er den' Mohren in die Hände falle.
Der teuflische Pakt wurde geschlossen und mit teuren Eiden besiegelt.
Marsilio, der das Blut seiner Edlen geringachtete,
gab dem ungetreuen Mann eine große Zahl seiner Ritter als Geiseln
mit, auf daß derselbe seinem verräterischen Werke Glauben fände.
Deswegen kam kein Argwohn in die Seele Karls, als Ganelon von dem freundlichen
Empfang in Saragossa von des Königs Reue und Unterwürfigkeit
sprach. Er führte zum Zeugnis der Wahrheit die Geiseln vor, die edelsten
Männer der mohrischen Ritterschaft, auch sechzig Säumer, die
Speise - und Weinvorräte und den Jahreszins in blanker Münze
ins Lager führten. Er riet jedoch mit gewinnender Rede, den unbezwinglichen
Roland samt anderen Helden und einem auserlesenen Heerhaufen im Lande zurückzulassen,
vor Abfall und äußeren Feinden gesichert zu sein. Was er vorbrachte,
schien so klug und weislich, daß kein Argwohn dagegen aufkam. Roland
und die übrigen Paladine außer Ganelon blieben an der Spitze
von sechstausend auserwählten Kriegern zurück, während der
Kaiser die Hauptmacht in kurzen Märschen, einen Tag um den anderen
ruhend, durch Schluchten und Pässe des Hochgebirgs nach der Gascogne
führte.
Die Recken und das Volk unter Rolands Befehl ließen
es sich wohl sein in dem schönen Lande; sie schmausten und tranken
von den Vorräten die Marsilio gesandt hatte. Sie erfuhren aber schon
am zweiten Tag durch ihre Späher, daß eine feindliche Macht
gegen sie im Anzuge sei.
Als
die sichere Nachricht vom Anmarsch eines weit überlegenen Heeres kund
wurde, beriefen Heerhörner die zerstreuten Krieger zu den Fahnen.

Als
die sichere Nachricht vom Anmarsch eines weit überlegenen Heeres kund
wurde, beriefen Heerhörner die zerstreuten Krieger zu den Fahnen.
Gen Ronceval war der Feldruf, und dahin führte Roland seinen Heerhaufen.
Denn in diesem Engpaß zwischen zwei steilen Bergketten, wo Mann gegen
Mann eng zusammengedrängt kämpfen mußte, hoffte er den
Sieg zu gewinnen. Die Mohren, über zwanzigtausend Mann, begegneten
den Franken, bevor sie den Ausgang erreichten.
"Stoße in dein Horn", riet Olivier.
"So hört es der Kaiser, der noch
nicht fern ist, und kehrt um."
Roland, betrachtete das mächtige
Horn Olifant, das er an der Seite trug. Es war von Elfenbein, mit Goldreifen
verziert und tönte, wenn mit Kraft geblasen, meilenweit. "Siehe,
treuer Heergeselle", sprach der kühne Degen. "Dieses Gerät und
mein wunderbares Schlachtschwert Durin,brachte voreinst ein leuchtender Engel
vom Himmel. Damals gelobte ich, nur in höchster Not mit dem Hornruf
Hilfe zu fordern. Ist denn solche Not über uns gekommen? Ich
glaube, wir sind stark genug, diese heidnischen Wichte in den Staub zu
strecken. Da sehe ich die Banner des feigen Verräters Marsilio! Kein
Zweifel - der ungetreue Ganelon ist an uns um schnödes Gold zum Judas
geworden."
Die Helden und ihre Mannen stürmten
sofort gegen die Haufen der Mohren, die mit großem Mut den Franken
Widerstand leisteten. Indessen bestanden sie nicht vor den langen
und wuchtigen Schwertern der Helden. Nach einem furchtbaren Gemetzel wandten
sie den Rücken und wurden verfolgt, gejagt und niedergestreckt gleich
dem scheuen Wild des Forstes, so daß nur wenige dem Blutbade entrannen.
Als die zerstreuten Christenleute von
der wilden Jagd zurückkehrten und anfingen, sich zu sammeln, ertönte
hinter ihnen der Ruf: "Machmet! Machmet!" ein weitaus größeres
Heer war den Christen in den Rücken gefallen. Marsilio selbst führte
es an. Er hatte gehofft, während der kleinere Heeresteil den einen
Eingang in das Tal verschließe, mit dem größeren, durch
den anderen Zugang vorstürmend, den verhaßten Feind gänzlich
zu vernichten.Indessen war er auch noch jetzt stark genug zum Kampfe gegen die überraschten,
streitmüden Christenleute.
 
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