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Die
Roland - Sage
(Illustriert
von MGB)
Mit
seiner schönen, erst kürzlich ihm vermählten Gattin saß
Kaiser Karl auf seinem Thron. Die Großen des Reiches waren um ihn
versammelt, und vor ihm stand Graf Gerhart, um das ihm verheißene
Lehen der Herrschaft von Viane (Vienne) und,wie er hoffte, auch des reichen
Herzogtums Burgund zu empfangen.
Graf
Gerhart möchte das ihm verheissene Lehen Viane
von Kaiser Karl erhalten.
Als
er den ersten Lehnsbrief aus des Herrschers Hand erhielt, bückte er
sich, um ihm nach altem Rechtsbrauch den Fuß zu küssen; aber
er strauchelte, denn die Kaiserin streckte ihren eigenen Fuß vor,
den er im Fallen unfreiwillig küßte.
"Er hat zuviel vom
Burgunder gezecht, daß er nun der Dame den Fuß küßt,
deren roten Mund er vorher verschmäht hat, und nun ist er gar vor
ihr auf die Knie gefallen; der Wein lehrt Demut", so murmelten die Hofleute
untereinander.
Glühend vor
Unwillen, richtete sich Gerhart auf und warf drohende Blicke auf die Spötter.
Er erwartete indessen den zweiten Lehnsbrief, allein der Monarch sprach:
"Was das Lehen von Burgund betrifft, so müssen wir uns unsere Entschließung
noch vorbehalten, dieweil unsere hohe Gemahlin, als Witwe des letztverstorbenen
Herzogs, gegen die Vergebung Einsprache erhoben hat." Der getäuschte
Fürst verabschiedete sich mit einem untertänigen Bückling
und begab sich, kochend vor Entrüstung, nach Viane, berief seine Dienstmannen,
warb Söldner und besandte auch seine Brüder, mächtige Landherren
in Apulien, daß sie ihm Hilfe leisten möchten wider seinen ungerechten
Lehnsherrn, dem er die Untertänigkeit aufkündigte. Er wußte
wohl, daß er von demselben in Güte nichts erlangen werde, denn
er hatte die Minne der verwitweten Herzogin von Burgund verschmäht,
und nun war sie die Gemahlin des Reichsoberhauptes und geschäftig,
den Eheherrn wider ihn aufzuregen.
Die Brüder
erschienen mit zahlreicher Mannschaft, und insbesondere kam Rainier, der
jüngste, und in dessen Gefolge sein Sohn Olivier, ein auserwählter
Degen, und seine wonnesame Tochter Auda, eine kühne Jungfrau, gleich
einer nordischen Schildmaid.
Graf
Gerhart versammelt seine Brüder mit zahlreicher Mannschaft,
darunter sein
Enkel Olivier mit seiner wonnesamem Tochter Auda,
eine kühne
Jungfrau, gleich einer nordischen Schildmaid.
Karl
zog mit großer Heeresmacht vor die feste Burg, die durch Mauern und
den Fluß Rhone schier uneinnehmbar war. Stürme und Ausfälle
wechselten, aber die blutigen Gefechte brachten keine Entscheidung.
Die
blutigen Gefechte brachten keine Entscheidung.
Auch
die schöne Auda wagte sich in blanker Rüstung unter die Kämpfer
und fällte manchen Mann mit Speer und Schwert. Sie stieß aber
in einem solchen Gefecht auf den starken Roland, dem bisher kein Gegner
widerstanden hatte. Ohne sein Schwert gegen sie zu zücken, entwaffnete
er sie mit gewaltiger Faust und nahm sie gefangen.
Ohne
sein Schwert gegen Auda zu zücken, nahm Roland sie gefangen.
Dies
gewahrte ihr Bruder Olivier. Er stürmte sogleich durch die Reihen
der Freunde und Feinde der Schwester zu Hilfe. Während beide Helden
miteinander in unentschiedenem Streite kämpften, entrann die kriegerische
Maid nach der Burg, wohin sich am Abend auch die ausgefallene Besatzung
zurückzog. Die Belagerung dauerte fort, immer neue Streitkräfte
sammelten sich im Lager, und das gesamte Heer unternahm einen allgemeinen
Sturm. Da erschien die kriegerische Jungfrau auf der Mauer und schleuderte
schwere Felsstücke herab, wodurch viele Krieger ihr Leben einbüßten.
Nur der kühne Roland, mit dem Schilde sich deckend, hielt Stand und
fragte sie nach Namen und Abkunft. Nachdem er alles erfahren und auch seinen
Namen und hohen Rang, als Neffe des Kaisers, kundgetan hatte, erklärte
er, daß er ihrer Minne begehre und nicht ablassen werde, um sie zu
werben, wenn er auch Leib und Leben daran wagen müßte.
Roland
schützt sich mit seinem Schild vor den schweren Steinen von Auda.
Als
jetzt Olivier zu der Schwester trat und einen Speer auf ihn schleuderte,
forderte er denselben zum Zweikampf auf eine Insel inmitten des Stromes.
 
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