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Die Hauptfassade des Schlosses mit dem hohen Erdgeschoss wirkt überaus maje- stätisch - genau wie die köngilichen Hoheiten oben auf dem Balkon. Das Gebäude ist im Empirestil gehalten und wurde 1848 vollendet. Der Balkon mit der Tempelfront bildet den Endpunkt des Karl - Johann -Boulevards, der vom Zentrum der Stadt Oslo zum Schloss führt.


Bild oben: der grosse Ballsaal ist der eindrucksvollste Raum des Schlosses. Er um- fasst zwei Stockwerke und wird von weissgoldenen Säulen eingerahmt, die das majestätische Erscheinungsbild des Saals unterstreichen. Gäste, die in den Spei- sesaal geladen sind, müssen zunächst den Ballsaal durchqueren. In der Mitte des Hinteren Raumendes spielt das Orchester zm Tanz auf.

Der König selbst wählte den Standort aus. Bereits 1822 entschied Karl XIV. Johann, dass seine Residenz auf einem Hügel außerhalb von Oslo stehen sollte, das seit 1624 Hauptstadt war. Das norwegische Wort "slott" leitet sich von dem deutschen Wort "Schloss" ab und bezeichnet ein geschlossenes Areal. Es lag deshalb nahe, den Bau an einem eher isolierten Ort zu errichten. Gleiches gilt im Übrigen für den Begriff "Palast", der sich auf den Palatin, jenen Hügel Roms bezieht, auf dem die Residenz des römischen Imperators lag. Der Entwurf für das dreistöckige Schloss
griff die erhöhte Position auf und verstärkte sie. Die vertikalen Säulen und das spitz zulaufende Giebeldreieck scheinen dem Himmel entgegenzustreben. Das wichtigste Element bleibt die Gestaltung des Bodens: Er sollte einem hohen Sockel gleichen, der das Gebäude in die Höhe zu heben schien. Dem Stil der Zeit entsprechend, sollte die Basis wie ein natürlicher Untergrund wirken. Man wählte deshalb graue Farbtöne. Rundbögen rahmen die Fenster ein, und der Putz wurde in Vierecke gegliedert, die Steinblöcken gleichen - das Schloss sollte massiv und solide aussehen.
Ab dem ersten Stock sind die Mauern glatt mit rechteckigen Fenstern. Ganz oben verläuft ein schmiedeeisernes Gitter rings um das Gebäude.
Ruhe und Ausgegli- chenheit gehören von jeher zu den Eigenschaften, die ein guter König mitbringen soll. Seit der Renaissance versuchte man, diesen Eindruck auch architektonisch zu vermitteln. In Oslo entsteht die Symmetrie durch den großen Balkon im Zentrum. Mit seinen hohen Säulen und dem mächtigen Giebeldreieck erinnert er an einen griechischen oder römischen Tempel. Von hier aus ist das Gebäude auf beiden Seiten exakt gleich lang. In erster Linie soll der Balkon allerdings den Endpunkt des Karl-Johann-Boulevards markieren, der genau auf das Schloss zuläuft, das auf diese Weise den triumphalen Abschluss des von der Stadt ausgehenden Wegs bildet...

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Der Speisesaal mit Decken und Wänden im antiken Stil wirkt offen und hell. Grosse Gemälde zieren die Wände.
... Die 1870 fertiggestellte Treppe ist so angelegt, dass Besucher den Blick auto- matisch zu den Säulen emporheben, die genauso breit sind wie der Balkon. Das Reiterstandbild Karls XIV. Johann von Brynjulf Bergslien wirkt, als reite der König seinem Volk entgegen, um es in Empfang zu nehmen. Im Laufe der Zeit veränderte man die Räume des Schlosses, denn jeder König nahm eine Reihe von Umbauten vor. Gleichwohl blieb die Gesamtanlage relativ intakt. Die aufstrebende Fassade findet ihre Entsprechung im Inneren des Schlosses: Man versuchte, die Räume so zu strukturieren, dass sie zu mehreren Seiten hin freien Ausblick boten. Tatsächlich öffnen sich die Hauptgemächer im zweiten Stock zu allen vier Seiten hin.
Die symmetrische Anordnung um den Schlossbalkon wird im Inneren durch eine durchdachte Raumkonzeption aufgenommen. Die Haupttreppe beginnt hinter dem Balkon. Sie führt zum ersten Stock empor und von dort aus in die wichtigsten Gemächer. Das Schloss besteht aus drei Stockwerken. Gemäß einem aus der Renaissance übernommenen Schema erfüllt jede Etage einen bestimmten Zweck.
Der zweite Stock mit seinen niedrigen, schlichten Zimmern war zunächst für die Dienerschaft gedacht, wird heute jedoch als Gästeetage genutzt. Die Säle im Erdgeschoss sollten vor allem zweckorientiert sein. Mit Ausnahme der beiden prächtigen königlichen Appartements, die aus Platzmangel im Parterre unter- gebracht wurden, handelt es sich um einfache quadratische Räume. Der Architekt wollte diesen Teil des Gebäudes besonders massiv wirken lassen, um zu unter- streichen, dass er den Rest des Gebäudes trug.


Mit der Besichtigung des Vogelsaals beendeten wir unseren Schlossbesuch. Er bildet das Vorzimmer zum königlichen Audienzsaal. Johann Flintae gestaltete die norwegischen Gebirge und Täler an den Wänden. Auf dem deckengemälde ist ein grosser Adler abgebildet, der durch die Lüfte kreist. Der Raum gilt als Meisterwerk norwegischer Innengestaltung. Besucher, die auf eine Audienz beim König warten, sollten hier auf ihre Herkunft und die Bedeutung der Monarchie erinnert werden.

Geschichtliche Restbeschreibung über das Schloss:
Die gewölbten Decken der Korridore sollen an Grotten erinnern, die Fenster sind mit Bögen überspannt und im Balkonbereich in tiefe Nischen eingelassen. An vielen Stellen verzierte man die Wände mit einer Gitterstruktur, die die künstlichen Stein- blöcke auf der Außenseite im Innern nachvollzieht.
Die Räume im ersten Stock unterscheiden sich grundlegend von den im Erdgeschoss gelegenen. Hier, in der "Belle Etage", liegen die
repräsentativen Säle, der Ballsaal, der Speisesaal und der Audienzsaal. Der König trat in all seinem Glanz auf, hohe Fenster und luftige Decken setzten seine Gestalt ins rechte Licht. Am wirkungsvollsten unterstreichen jedoch die Säulenreihen an den Wänden die majestätische Atmosphäre. Sie stehen frei oder sind zu Reihen geordnet,
fügen sich als Trennpfeiler in die Wand oder sind sogar nur auf den Putz gemalt. Durch die Säulen wirken die Wände gewissermaßen offen, sie vermitteln ein Gefühl von Weite, als ob die Mauern nicht existierten. Besonders deutlich wird diese Konzeption im Vogelsaal. Dieses Vorzimmer vor dem königlichen Audienzsaal wirkt durch seine Bemalung wie ein luftiger Pavillon mit Holzsäulen, jedoch ohne Dach.


Wir vor dem Gustav-Vigeland-Tor. Dem Eingang zum Park.

Wilde Weinreben ranken sich um die Laube, kleine Vögel fliegen ein und aus, und an der Decke des Raums zieht ein großer Adler seine Kreise. Dieser Vogel gilt seit Urzeiten als Symbol königlicher Macht und Herrschaft. Im Hintergrund des Pavillons fällt der Blick auf mächtige norwegische Berge und Täler. Hinter dem Hauptbalkon liegt Norwegens imposanteste Treppe, die zu den königlichen Gemächern führt. Der Architekt verwirklichte hier das Barockideal der "Scala regia", der Königstreppe, die im 17. Jahrhundert als
geradezu unverzichtbarer Bestandteil zu jeder Königs- residenz gehörte. Die Treppe verleiht dem simplen Akt des Emporsteigens eine tiefere Bedeutung. Diese musste sich jedem Besucher erschließen, der sich dem König näherte.
Im Tordurchbruch des Hauptportals teilt sich der Weg in zwei identische Läufe, die an der Wand entlang nach oben bis zu einem Zwischenabsatz steigen und sich dort wieder miteinander verbinden. Von hier aus führt eine breite Treppe bis zum ersten Stock und zur Balustrade, von der man auf den Schlossplatz und den Karl-Johann-Boulevard blickt. Wenn Besucher sich zu einer Audienz beim König begaben, gingen sie von hier aus entweder nach rechts direkt zum Monarchen oder nach links zum Kronprinzen. Der Weg verläuft in einer gerade Linie durch eine Enfilade, die sich zum Schlossplatz öffnet, bis zum Audienzsaal, in dem der König seine Gäste empfing. Die Vorzimmer sollten die Erwartung und vielleicht auch die Ehrfurcht und die Angst desjenigen steigern, der sie durchschritt.
Gab der Herrscher ein Fest, so betraten die Geladenen zunächst den kleinen Ballsaal mit Blick auf den Park und wandten sich dann nach rechts, wo sie durch den grossen Ballsaal in den Speisesaal über dem Nordflügel gelangten.
 

Die Pracht der Räume und ihre effektvolle Gestaltung nimmt zu,je weiter sich der Besucher seinem Ziel nähert. Im Erdgeschoss mit seinen Gewölben und Mauern aus imitierten Steinquadern beherrschen strenge und schlichte dorische Säulen das Bild. Dieser Säulenordnung begegnet man noch einmal am Ende der Treppe, doch wirkt sie hier aufgrund der weichen Ringe an der Basis und des anmutigen Dekors der Kapitelle gefälliger und schlanker. Im kleinen Ballsaal stehen ionische Säulen. Sie sind deutlich schlanker und höher, darüber hinaus mit spiralförmigen Mustern an den Kapitellen und mit Perlenreihen in Bodennähe verziert, wodurch ihre Eleganz unterstrichen wird. Die Wände in diesem Saal sind in einem kühlen Grünton gehalten,
die Säulen sind cremefarben. Rings um die Decke verläuft ein farbiger Streifen mit Bändern und kleinen Palmetten.
Der kleine Ballsaal weckt Erwartungen, die sich jedoch erst erfüllen, wenn man den großen Ballsaal betritt. Dieser umfasst mehr als zwei Etagen und wird nach oben hin durch eine hohe Decke mit diagonal verlaufenden Balken begrenzt. Prächtige Säulen tragen eine Galerie, die sich um den Raum zieht. Große Kronleuchter tauchen den Saal in helles Licht. Die Säulenordnung ist hier korinthisch mit üppigem, weißgoldenem Blattwerk an den Kapitellen. Der Ballsaal öffnet sich nicht nur nach oben, sondern scheinbar auch zu den Seiten hin, denn große Spiegel bedecken die Wände bis zum Boden. Eine Tür in einer Ecke des Ballsaals führt in den Bankettsaal. Hier ist die Decke niedriger; ein Muster aus ineinander verflochtenen Weinreben ziert die Wände. Verglichen mit dem weitläufigen Ballsaal wirkt dieser Raum geradezu intim. Das Schloss war stets ein öffentliches Gebäude, das dem norwegischen Ideal von Ausgewogenheit, Strenge, und Pracht zu entsprechen hatte. Wenn heute die Posaunen ertönen und die schwarzen Limousinen des Königshauses das Haupttor passieren, wird noch immer deutlich, dass das Schloss in Oslo das bedeutendste Monument der norwegischen Monarchie ist.

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