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Das Schloss unter Ludwig II.
   
Während Schloss Neuschwanstein einer Ritterburg gleichen und Schloss Linderhof eine Königliche Villa darstellen sollte, so sollte das Schloss Her- renchiemsee, Ludwigs II. letztes großes Projekt, ein Denkmal für die franzö- sischen Bourbonenkönige und deren Schloss Versailles werden. Ursprünglich war als Bauplatz für dieses neue Versailles das Graswangtal in der Nähe von Linderhof vorgesehen, dieses Projekt wurde als "Meicost Ettal" bezeichnet, wobei es sich um ein Anagramm des Spruchs "L'état c'est moi" (der Staat bin ich) handelt. Dies war das Motto Ludwigs XIV., dem Vorbild des bayrischen Königs. Aufgrund des mangelnden Platzes an jenem Ort wurde schließlich der Bau auf der Herreninsel beschlossen, die wegen Abholzungsmaßnahmen der privaten Besitzer ins Blickfeld der Öffentlichkeit getreten war. Nach 13 Plan- ungsphasen begann der Bau nach den Plänen Georg Dollmanns im Jahre 1878.
     
      
Das Neue Schloss wurde nie fertiggestellt
   
Um die Arbeiten während der Bauphase zu besichtigen, hielt sich der König gelegentlich im Alten Schloss Herrenchiemsee auf, welches sich ebenfalls auf der Herreninsel befindet und aus einem Kloster hervorgegangen ist. Dort wurde ihm für diesen Zweck eine kleine Wohnung eingerichtet. Das Neue Schloss Herrenchiemsee wurde nie fertig gestellt, bereits begonnene Teile des Schlosses, etwa der im Rohbau fertiggestellte nördliche Seitenflügel wurden um 1907 aus Gründen der Symmetrie und eines fehlenden Nutzungskonzepts sogar wieder abgebrochen. Wirklich bewohnt wurde das Neue Schloss Herren- chiemsee von Ludwig II. nur wenige Tage im September 1885, während dieser Zeit wurde die Spiegelgalerie jeden Abend vollständig mit Kerzen illuminiert.
     
     
Zum Schloss selbst
   
Das Schloss, das ursprünglich ein idealisiertes Abbild von Versailles werden sollte, besteht - im Gegensatz zum vielflügeligen und ständig erweiterten Vor- bild - nur aus dem dreiflügeligen Haupttrakt, da Ludwig II. während der Bau- zeit das Geld ausgegangen war und er vor der Vollendung der Anlage starb. Ein damals noch errichteter Nordflügel wurde später wieder abgebrochen, der Südflügel nicht einmal begonnen.
     
     
     
Während die Hauptfassade eine Reminiszenz des Schlosses in Versailles darstellt, ist die Hoffassade ein für dieses Schloss konzipierter eigener Ent- wurf, der zwar in den Proportionen, nicht jedoch in seiner Architektur und seinem Schmuck dem Vorbild folgt, sondern sich weitgehend an der von Ange-Jacques Gabriel für Versailles geplanten, aber nur teilweise im sog. "Gabriel-Flügel" umgesetzten stadtseitigen Fassade orientiert.
     
     
Innenräume
   
Im Schloss wechseln sich prachtvoll ausgestattete Paraderäume wie das Prunkschlafzimmer mit unverputzten, leeren Räumen ab, die aufgrund von Geldmangel nicht mehr wie geplant fertiggestellt werden konnten. Die voll- endeten Zimmer und Salons folgen - abgesehen von den großen Staatsräu- men - dem zweiten bayerischen Rokoko und stellen damit eine Interpre- tation, aber keine Kopie des Vorbilds dar. Von den 70 Räumen des Schlos- ses wurden nur 20 fertiggestellt. Die übrigen Räume blieben bis heute im Rohbauzustand. Allerdings waren auch nicht alle Räume zur Vollendung vorgesehen, da diese Räume Ludwig II. zum Wiederauflebenlassen von Versailles und der Zeit Ludwigs XIV. nicht wichtig waren.
     
     
Hervorzuheben sind das Treppenhaus, das ein Abbild der sogenannten "Gesandtentreppe" darstellt - das Vorbild in Versailles wurde bereits im 18. Jahrhundert abgebrochen. Das Esszimmer, welches mit einem mechanisch betriebenen "Tischlein-deck-dich" versehen ist, ermöglichte es dem König, ohne die Anwesenheit von Bediensteten zu speisen. Dabei konnte durch eine mechanische Vorrichtung der Tisch mitsamt einem Teils des Bodens um eine Etage abgesenkt werden. Für diesen Vorgang benötigte ein großer und starker Mann etwa 15 Minuten. Da jedoch eine Küche im Schloss fehlte, musste das gekochte Essen mit einer Kutsche angeliefert werden.
     
     
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