Abraham und Sara    Christus am Kreuz


Das Buch Ezechiel (Hesekiel) ist eine im Zeitraum von ca. 600-560 v.Chr. in Babylonien entstandene Schrift des Alten Testaments der Bibel, die seit dem Mittelalter in 48 Kapitel unterteilt wird. Es schildert die Visionen und symbolischen Handlungen des Propheten Ezechiel, der zur ersten Gruppe der im Rahmen der babylonischen Gefangenschaft verschleppten Israeliten gehörte. Ezechiel war ein israelitischer Priester.
Sechs große Religionen sind es - aber warum gibt es nicht nur eine für alle Menschen? Immer häufiger wird der Vorschlag gemacht, die grossen Religionen sollten um des zukünftigen geistigen Heils der Menschheit willen die Einheit des ihnen gemeinsamen Wesenskerns anerkennen und alles Trennende zurückstellen, sollten zu einer Synthese in den übereinstimmenden Glaubenssätzen kom-
men.

Arnold Toynbee ist vielleicht der einfluß-
reichste abendländische Denker, der auf einen derartigen "Synkretismus" hofft.
"Die vier jetzt lebenden höheren Reli-
gionen", schreibt er, "sind vier Varia-
tionen über ein Thema...Wenn ein Paar menschlicher Ohren die vier Komponisten dieser himmlischen Sphärenmusik gleich-
zeitig und mit gleicher Klarheit hören könnte, würde der glückliche Hörer sie nicht als Dissonanz, sondern als Harmonie vernehmen." Dieser Ruf nach einer Einheit der Religionen schallt indessen am häu-
figsten aus dem Osten, vor allem aus Indien, das oft das religiöseste Land der Welt genannt worden ist und sich selbst auch dafür hält. Seit Indiens bedeutendster Religionsreformer Schri Ramakrischna verkündet hat, daß alle Religionen wahr und nur verschiedene Wege zum selben Ziele seien, hat sich die indische Leidenschaft für Toleranz und Synthese immer wieder für diese Idee erwärmt. Vielleicht hat sie niemand besser ausgedrückt als der große Hindu-Philosoph Sarwapalli Radhakrischan (*1888), der in Oxford unterrichtet hat und 1952 Vizepräsident der Indischen Republik geworden ist: "In einer ruhelosen und in Unordnung geratenen Welt, die sehr viel weniger Glauben hat als wir wahrhaben wollen, in der abergläu-
bische Irrlehren um die Seelen der Menschen ringen, dürfen wir nicht schwankend werden in dem Entschluss, die Menschheit zu einer Einheit zusam-
menzufassen, in der Mohammedaner, Christen, Buddhisten und Hindus sich in der Verpflichtung finden, dem Kommenden, nicht dem Vergangenen zu dienen, nicht von überholten rassisch oder räumlich gebundenen Vorstellungen zu träumen, sondern von einer universalen Gesellschaft mit einer  Weltreligion, deren Zweige die historischen Glaubensbekenntnisse sind…Die Anhänger der verschie-
denen Überzeugungen brauchen einander, um in gemeinsamer Arbeit zu einer umfassenden Synthese zu kommen."

Mohammed wird von den Muslimen in der Reihe der Propheten als der historisch letzte angesehen, dem mit dem Koran die letzte Offenbarung Gottes (Allahs) herabgesandt wurde. Er ist folglich nach islamischer Auffassung, ausgedrückt in der in Medina entstandenen Sure 33, Vers 40: -Das Siegel der Propheten-, das heißt, der Beglaubiger der früheren Propheten oder der letzte Prophet in der Geschichte der Menschheit.
Es kann nicht wundernehmen, daß solche Anregungen ein günstiges Echo bei vielen unvoreingenommenen Menschen finden, die sich der Bedrohung jeder spiritualistischen und religiösen Lebensauffassung durch die zunehmende Verweltlichung, vor allem aber durch den missionarischen Eifer des Welt-
kommunismus bewußt sind: "Gläubige aller Welt - vereinigt euch und schließt die Reihen!" Aber schon die Plattheit einer solchen Parole verrät das fehlende Ver-
ständnis für den fundamentalen Charakter der Unterschiede, die nun einmal die gros-
sen Religionen trennen. Wie könnten sich Bekenntnisse, die in der Erlösung eine Belohnung für menschliches Streben hier auf Erden sehen, mit solchen zusammenschließen, die darin eine unverdiente Gabe und Gnade Gottes sehen? Wie kann die östliche Über-
zeugung, daß der Mensch die Wahrheit durch beharrliches Suchen finden wird, und die der drei westlichen Religionen, daß Gott sie in den Lehren historischer Verkünder offenbart habe, auf einen Nenner gebracht werden? Wie sollen sich die drei westlichen Religionen darauf einigen, daß die Offenbarung Gottes in Christus gipfelt, wo doch die Moslems überzeugt sind, daß die umfassendere Offenbarung erst später durch Mohammed kam, und die Juden glauben, daß "das Gesetz und die Propheten" bereits Gottes endgültige Prophe-
zeiung sind! Die lebenden Religionen können sich voller Achtung begegnen und sich mit den geistigen Werten befassen, die jede von ihnen ihren Gläubigen bringt. Sie können gemeinsam gegen jenen fremden Geist des Materialismus angehen, der im Dasein nichts weiter sieht als das Spiel von "Kraft und Stoff". Sie sollen ihre eigenen Unzulänglichkeiten ehrlich zugeben und den Nachbarreligionen voller Nächstenliebe begegnen. Aber es ist eine Illusion, zu glauben, daß sie ihre Unterschiede fallenlassen könnten, ohne dadurch vor sich selber des Verrats an ihren religiösen Grundsätzen schuldig zu werden. Es ist eine Illusion, weil derjenige, der für den Synkretismus eintritt, diesen immerund sei es unbewußt - als Umrahmung eines von seinem eigenen Glauben gebildeten Wesenskerns betrachtet.

  Den Nachbarreligionen voller Nächstenliebe begegnen  

Der Goldene Tempel in Amritsar

Den sechs großen Religionen unserer Welt ist sind diese Seiten gewidmet. Aber es gibt noch eine Anzahl weiterer Religionen, die wegen der geringen Anzahl ihrer Anhänger zwar nicht im Rahmen dieser Seiten gewürdigt werden können, die ich aber dennoch nicht aus den Augen verlieren möchte. Drei der bedeutendsten - die Religionen der Dschainas, der Sikhs und der Parsen - finden wir in In-
dien. Der Dschainismus ist wie der Buddhismus das Ergebnis einer im 6. Jahr-
hundert v. Chr. stattgefundenen Auflehnung gegen das, was im Hinduismus un-
würdig geworden war. Seine anderthalb Millionen Anhänger bilden eine ge-
schlossene Gemeinschaft, deren Wohlstand in frappierendem Gegensatz zu den asketischen Praktiken steht, durch die die Dschainas den Ring der Seelen-
wanderungen zu sprengen suchen. Wenn man die dschainistischen Lehren in einem Wort zusammenfassen wollte, dann müßte es „Ahimsa“ sein: Gewaltlosigkeit. In ihrer Entschlossenheit, keinem Geschöpf ein Leid zuzufügen, gehen die Dschainas manchmal so weit, daß es einen Abendländer einfach absurd anmutet. Man versteht leicht, warum die Dschainas den großen Mahatma Gandhi als einen der ihren betrachten. Obgleich der Dschainismus seine Tempel und seine darin verehrten "Tirthankaras" ( "Führer durch das trübe Meer des Lebens") hat, ist er doch mehr eine Morallehre als eine Religion - gerade gegenwärtig aber in neuem Aufschwung, weil er sich als den Weg zur allgemeinen Brüderlichkeit und zur Beseitigung der Gefahr des Ausbruchs eines neuen Weltkrieges anpreist. Die Sikhs sind bekannt dafür, daß sie zu den malerischsten Einwohnern des indi-
schen Subkontinents gehören. Jeder Indienreisende hat sie in den Hafenstädten gesehen - hochgewachsene Männer, mit Turban und Schnurrbart, die beispiels-
weise als Polizisten sehr selbstbewußt den Verkehr regeln oder ihre Runden machen und offenbar davon überzeugt sind, daß sie alle und alles, was un-
botmäßig sein will, sehr schnell wieder zur Räson zu bringen in der Lage sind. Die Sikhs bilden eine verschworene Gemeinschaft von ungefähr sechs Millionen Menschen, die hauptsächlich im Pandschab wohnen und deren heilige Stadt Amritsar ist. Sie sind Arier, und ihre Religion ist eine der jüngsten Indiens, denn sie entstand erst um das Jahr 1500 unserer Zeitrechnung. Religionsgründer war Nanak, dem neun Generationen von "Gurus" folgten, die die heiligen Schriften der Sikhs zusammentrugen.

Guru Nanak Dev (* 15. April 1469 bei Lahore; † 1539) ist ein indischer Heiliger und Religionsstifter des Sikhismus.
Aber auch die anderen Religionen haben die Gebete der Gläubigen nicht ohne Echo verhallen lassen. Hätten sie das getan, wären sie keine lebendigen Religionen mehr. So verdienen sie, daß wir uns um ihr Verständnis bemühen und uns mit ihnen auseinandersetzen. Da wir ichbe-
zogen sind, neigen wir dazu, die un-
gewöhnlichen Seiten anderer Religionen und Riten zu bespötteln. Worte wie "Heide", "Abgötterei", "Aberglaube" werden häufig benutzt, um andere Glau-
bensrichtungen herabzusetzen oder ver-
ächtlich zu machen. Dabei sollte doch jeder Mensch in dem Augenblick, in dem er die Knie vor seinem Gott beugt, un-
serer Achtung sicher sein. Wir können zwar meinen, daß in seiner Glaubens-
auffassung wertvolle, ja wesentliche Elemente fehlen. Die Formen, in denen der andere seine Anbetung vollzieht, mögen uns bizarr, manchmal sogar abstos-
send scheinen. Aber im Augenblick des Gebets ist jeder Mensch so gut, wie er nur irgend sein kann. Wenn wir so weise wären, wie wir uns dünken, würden wir danach trachten, ihn dann, gerade dann, zu verstehen. Dieses Seiten sind ein Versuch, solches zu fördern. Dabei wollen wir so behutsam vorgehen wie irgend möglich. Denn wir wissen sehr wohl, daß man, wenn der Begriff "Buddhismus" auftaucht, sofort fragen kann: Welcher Buddhismus? Hinajana, Mahajana oder tibetanischer Lamaismus? Meinen wir unter "Judentum" den traditionsgebundenen Glauben der Orthodoxen oder die modernen Anschauungen der Reformgemeinden Amerikas? Und was die "Christenheit" angeht - kann man aufrichtig so sprechen, als ob die katholische, die orthodoxe, die anglikanische oder die Hunderte protestantischer Kirchen und Gemeinschaften alle ein und dieselbe Sache sind?


Die Ganga-Dynastie war eine indische Dynastie legendenhafter Herkunft, welche in einigen Abschnitten der Geschichte Indiens auftaucht. Vor allem ist ihr Name mit der Regierung Orissas im 12.-14. Jahrhundert verknüpft. Die Herkunft der Dynastie ist von mehreren verschiedenartigen Legenden und Theorien umwoben. Eine Legende spricht z.B. von einem Ahnherren namens Gangadatta, der nach einem Bad seiner Mutter im Ganges geboren worden sein soll. Weiterhin ist laut einer Inschrift des Jaina-Guru Simhanandi und anderen Indizien eine Herkunft aus der Gangavamsa bzw. Kaivartta-Gemeinschaft möglich, welche damals über Kalinga nach Südindien gewandert sein soll.
Ihre Hauptbedeutung im modernen Indien besteht darin, daß sie als durch Geburt abgegrenzte Gemeinschaft eine Art Nation innerhalb der Nation bilden, ein männ-
lich-kriegerisches Volk, das die uner-
bittliche - zu Zeiten erbarmungslose - Feindschaft gegenüber den Moslems als seine Hauptmission empfindet. Schließ-
lich sind da noch die Parsen, eine winzige Minderheit mit etwas über hunderttausend Seelen, von denen die Mehrzahl in Bombay (dem heutigen Mumbai) lebt. Sie üben jedoch einen Einfluß aus, der in gar keinem Verhältnis zu ihrer geringen Zahl steht, denn sie sind die reichsten Bankiers und bedeutendsten Industriellen des neuen Indiens. Die Parsen sind Anhänger Zoroasters oder Zarathustras, jenes genialen persischen Religionsgründers, der im 6. Jahrhundert v. Chr. lebte und den die Parsen selbst Zarduscht nennen. Zarathustras Ab-
lehnung der Idee eines persönlichen Gottes, seine Verehrung Ahura Mazdas, der Quelle der Wahrheit (symbolisiert durch das reine Sonnenlicht), und sein Kampf gegen Ahriman, den Geist des Bösen, haben auch viele Denker des Abendlandes beeinflußt. Das Parsentum kam mit Flüchtlingen, die vor den mohammedanischen Eroberern ihrer per-
sischen Heimat flohen, nach Indien. Es hat sich gegen alle anderen Religionen abgeschlossen und zeigt auch nichts von dem missionarischen Geist, der sich heute im Hinduismus, im Islam, im Buddh-
ismus und im Dschainismus regt. Bei hohen ethischen Ansprüchen hat das Par-
sentum fast keinerlei Dogmen. Soweit die anderen Völker Indiens von den Parsen überhaupt etwas wissen, kennen sie sie als rechtschaffene Männer, die sich ihrer gesellschaftlichen Überlegenheit ebenso bewußt sind wie die Brahma-
nen des Hinduismus. Die Parsen pflegen ihre Toten in "Türmen des Schweigens" auszusetzen, wo die Gebeine von lauernden Geiern schnell rein genagt werden.
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