Der Reichsapfel    Die Reichsinsignien
1
    In den dichtbewaldeten, feuchten Landstrichen mit ihrem rauhen Klima lebten sie einigermaßen mühselig von Ackerbau und Viehzucht. Ihre Organisation leitete sich von den kriegerischen Erfordernissen her: Jeder Stamm war in Hundertschaften eingeteilt, diese gliederten sich in Sippen, die Gemeinschaften von Blutsverwandten; sie zogen als geschlossene Trupps in den Kampf. Die Sippe war der wichtigste Verband: eine Siedlungs-, Wirtschafts- und Wehrgemeinschaft, jeder verpflichtet, dem anderen beizustehen bis zur Blutrache. Unter den freien Männern standen die Hörigen, meist Angehörige unterworfener Völkerschatten; sie mußten den Freien dienen oder Abgaben entrichten. Die Knechte schließlich waren versklavte Kriegsgefangene; sie galten als Sache und konnten gekauft und verkauft werden.


    Grausame Hinrichtungsmethode:
    Lebendig und gefesselt ins Moor geworfen

    3

    Nicht nur die ihnen eigentümliche Kriegslust und Beutegier, vor allem der Druck ihrer ständig wachsenden Bevölkerung trieb die Germanen in den nachchristlichen Jahrhunderten, auf Landraub auszugehen. Von Friesland bis zum Schwarzen Meer mußte das Römische Reich sich ihrer erwehren. Im Jahre 213 durchbrachen Alemannen und Chatten den Limes. Der römische Kaiser erkaufte ihren Rückzug mit Gold. Aber sie kamen wieder ... 259 mußte der mehrmals erneuerte Limes aufgegeben werden. Franken am Nieder- und Mittelrhein, Burgunder und Alemannen am Oberrhein, sie und andere Stämme berannten die Grenzen des Imperiums, brachen in die linksrheinischen Gebiete ein, unternahmen Plünderungszüge, zerstörten römische Städte in Gallien, darunter Trier. Die Alemannen drangen sogar bis Oberitalien vor. Und wenn sie alle auch zunächst nur wenig dauernden Geländegewinn erreichten, mal siegten und mal besiegt wurden, die Kraft des Römischen Reiches erschöpfte sich langsam. Schon längst war das einst so stolze Imperium in Zersetzung begriffen durch die blutigen Rivalitätskämpfe seiner Führungsschicht und daher nicht mehr in der Lage, sich mit ausschließlich eigenen, römischen Kräften zu verteidigen.


    Nur bei der Herstellung von
    Bekleidung wurden Talgfackeln benutzt
    5

    Die ostgermanischen Stämme gingen unter. Sie waren an Zahl so gering, daß sie mit der eingesessenen Bevölkerung des Mittelmeerraums bald verschmolzen. Ihre Staatengründungen erlagen dem Ansturm äußerer Feinde.

    Die Westgermanen hingegen hatten sich, meist ohne ihre alten Stammesgebiete aufzugeben, über den Rhein und nach Südwesten vorgeschoben, am erfolgreichsten die Franken. Weiter im Inneren, bis zur Elbe, wohnten noch germanische Völkerschaften, die zum Teil neue Stämme bildeten. Daß die Westgermanen ihre Basis nicht verließen, sondern nur ausdehnten, hat letztlich die Bildung eines deutschen Volkes ermöglicht.



    Der erste asiatische Ansturm


    Diesmal kämpften die ehemaligen
    Feinde der Germanen - die Römer...

    6
    Am Ende der Völkerwanderung hatte sich das Gesicht Europas total verändert: In allen ehemals weströmischen Ländern entstand in der Vermischung der römischen oder romanisierten Einwohner mit den Ureinwohnern eine neue Bevölkerung. Die Bekanntschaft mit der römischen Zivilisation und den höher entwickelten innerstaatlichen Organisationsformen strahlte auf die rein germanischen Staatsgründungen der Zukunft aus.


 
Sie lebten mühsam von
Ackerbau und Viehzucht

2

Als oberstes Organ fungierte das Thing, die Vollversammlung der Freien. Sie entschied durch Abstimmung über Recht und Unrecht, Krieg und Frieden. Wer sich im Kampf besonders auszeichnete oder es - mit den damals üblichen Mitteln zu größerem Besitz brachte, genoß hohes soziales Ansehen. So bildete sich allmählich ein Adel heraus, aus dem im Kriegsfall der Anführer gewählt wurde. Dauernde Macht war auch für den Tüchtigsten nur selten zu erringen, dies verhinderte schon die Eifersucht der anderen Häuptlinge. Bild links: Urteile im Namen des Thing wurden sofort vollstreckt.

Ihre Wohnungen waren meist leer
und ohne Beleuchtung
4
Der Anfang vom Ende kam im Jahre 375. Das asiatische Reitervolk der Hunnen überrannte das Ostgotenreich des Königs Ermanerich am Schwarzen Meer. Die Ostgermanen gerieten in Bewegung bis hin zu den Stämmen an der Weichsel und westwärts der Oder. Stamm um Stamm brach auf zu abenteuerlichem Eroberungszug, versuchte anderswo seßhaft zu werden, errang Siege, mußte nach Niederlagen wieder weichen, weiterziehen, kämpfend und plündernd. Fast 200 Jahre lang waren der Balkan, Italien, Mittel- und Westeuropa, die Iberische Halbinsel ihre Durchzugs- und Eroberungsgebiete; die Wandalen zogen gar bis Nordafrika, ins heutige Tunesien. Durch dieses Gewimmel kämpfender Völkerschaffen stieß König Attila mit seinen hunnischen Scharen bis nach Frankreich vor, wurde aber 451 in der Nähe von Troyes an der Seine von einem römisch-westgotischen Heer vernichtend geschlagen - der erste asiatische Ansturm auf Europa war abgewehrt.


Atilla-König der Hunnen



... mit den Germanen gegen 
einen gemeinsamen Feind


Das Gesicht Europas  hatte sich total 
verändert


Aufstieg der Franken
unter Chlodwig I.