Im 11. und 12. Jh. bewegt der Kreuzzugsgedan-
ke das Abendland. Seit 1095 Papst Urban H. die europäische Christenheit aufgerufen hat, die heiligen Stätten und die dort lebenden Glaubens-
brüder und - schwestern zu schützen, sind als Ergebnis des Ersten Kreuzzuges im Raum zwi-
schen Antiochia und Jerusalem vier Kreuzfah-
rerstaaten entstanden. deren Führung west - und südeuropäische Adelsschichten übernehmen. Militärisch stützen sie sich auch auf Ritterorden ihrer Heimatländer. Aus einer Hospitalgemein-
schaft zum Schutz der „fränkischen“ (= west-
lichen) Herrschaft entsteht nach 1100 der Rit-
terorden der Johanniter, der Orden der Templer erhält 1128 seine Regel. In Spanien und Portugal, wo der Kampf zwischen Christen und Muslime entbrennt, bilden sich ebenfalls Ritterorden. Ein deutscher aber fehlt. Erst als Sultan Saladin die Kreuzfahrerstaaten auf einen schmalen Küsten-br>saum zurückdrängt (1l87), Jerusalem in die Hände der Muslime fällt und Kaiser Friedrich I. Barbarossa am 3. Kreuzzug teilnimmt, wird ein Ritterorden gegründet.


bürgen, im Burzenland, einen eigenen Staat zu errichten (1211 bis 1225), aber Hermann von Salza erweist sich als geschickter Diplomat und Vermittler zwischen den beiden rivalisierenden führenden Mächten im Abendland: dem Papst und dem Kaiser. Die Schlappe schadet seinem Ruf keineswegs. Der Hilferuf des Piastenfürsten Her-
zog Konrad von Masowien, ihn bei der Abwehr der heidnischen Pruzzen zu unterstützen, eröffnet Hermann von Salza die Möglichkeit, seinem Orden eine neue Heimat zu geben. Für die Unterstützung bietet ihm Konrad 1225/26 die fruchtbaren Böden des Culmerlandes an. Nun beweist der Hochmei-
ster sein diplomatisches Geschick: In der „Gol-
denen Bulle von Rimini“ bestätigt ihm Kaiser Friedrich II. die Schenkung Konrads und politi-
sche Herrschaftsrechte über alle künftigen Ero-
berungen im heidnischen Preußen außerhalb des Reiches (1226). 1228/29 begleitet Hermann von Salza den Kaiser auf den Kreuzzug ins Heilige Land. Damals wird Hermann von Salza vermutlich mit dem Adlerschild des Reiches bewidmet, das seither das Hochmeisterwappen als Herzschild schmückt. In diese Zeit fällt auch der Erwerb der Burg Starkenberg, besser unter dem Namen „Montfort“ bekannt. Starkenberg kapituliert
1271 vor dem Mameluken-Sultan Baibar, 1291 fällt Akkon und der Orden zieht sich nach Vene-
dig zurück.

Hochmeister Herman von Salza
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Der Niedergang
Die Katastrophe bricht 1410 in der Schlacht
von Tannenberg (polnisch: Grunwald) über die deutschen Ritter herein. 14.000 Ordenskrie-
ger unterliegen 22.000 Polen, Litauern und tatarischen Söldnern. Von dieser Niederlage erholt sich der Deutsche Orden nicht mehr.
Hand in Hand mit der militärischen Niederlage wächst im Land die innere Opposition preußi-
scher Stände und eskaliert 1454 bis 1146
zum Ständekrieg. Auch der geht für den Orden verloren. Der Niedergang ist nicht mehr
auf-
zuhalten: 1457 erobern die Polen die Marien-
burg. Der 2. Thorner Friede von 1466 bringt
große territoriale Verluste und zwingt den Hochmeister, dem König von Polen mit Kniefall
zu huldigen. Vergebens hatte er auf Hilfe aus dem Reich gehofft.
Im Alleingang sucht Hochmeister Albrecht von Brandenburg 1525 in einem letzten Kampf die Polen zu bezwingen. Er unterliegt. Enttäuscht von Reich und Papst tritt Albrecht zur Reformation über, wandelt den Ordensstaat in ein weltliches Herzogtum Preußen um und unterstellt es polnischer Lehenshoheit. Wohl ist der Deutsche Orden in erster Linie mit der Heidenmission be-
auftragt, seine Leistungen auf kulturellem und wirtschaftlichem Gebiet sind jedoch beachtens-
wert: Unter seine Herrschaft fallen etwa 100 Stadtgründungen, aus denen die großen Han-
delsstädte Culm, Elbing, Thorn, Königsberg und die alte Bistumsstadt Pernau hervorragen.

Der Niedergang - Zweiter Teil
Die Deutschordensstädte kennzeichnet in der Regel das gleichmäßig angelegte rechtwinkelige Straßennetz der ostdeutschen Kolonialstadt und die Architektur, die besonders bei den Burgen typisch zum Ausdruck kommt. Die Besiedlung des Landes schreitet ab 1280 zwar nur
langsam und in Wellen voran, dennoch wird sie zum Träger eines eigenen Stadtrechtes, das in der „Culmer Hand-
feste“ auf 1332 zurück
geht und Vorbild für fast alle preußischen Städte ist. Die Kolonisten, in der Mehrheit deutsche Bauern aus Niedersachsen, Holstein, dem Mitteleibegebiet um Meiße und aus Schlesien, bringen neue Wirtschaftskenntnisse mit: Im Danziger und Marienburger Werder
ringen sie der Marsch mit Entwässerungsanlagen in Gestalt windbetriebener Schöpfwerke Neuland ab. Das geistige Leben ist in erster Linie ein geistliches. Ein dichtes Netz von Kirchen legt sich über das Land. Der Reichtum des Ordens ermög-
licht es, selbst kleine Dorfkirchen künstlerisch wertvoll auszustatten. Mit dem Orden kommt auch der Backsteinbau ins Bruzzenland, er prägt hier die Architektur bis zur Zerstörung der Bauten 1944/45.



