serordentlich dünn besiedelt. Nur wenige Flä-
chen werden landwirtschaftlich genutzt, selbst kultivierte Gebiete verwildern wieder, weil es an Menschen mangelt die sie bewirtschaften. Die Lage ändert sich ab dem 11. Jh. Mit der Befrie-
dung des Kontinents nach außen - Sarazenen, Normannen und Magyaren sind abgewehrt - setzt um 1000 bis ca. 1315 ein bemerkenswerter Bevöl-
kerungszuwachs ein. In den bereits dichter besie-
delten Gegenden Englands und Frankreichs steigt die Bevölkerung um das Dreifache, in Sachsen sogar auf das Zehnfache. Durch intensive Boden-
bewirtschaftung, Rodung der Wälder, Trocken-
legung von Mooren und Eindeichung von Küsten-
gebieten an der Nordsee gewinnen die Siedler mehr Kulturland. Neue Technologien, zum Teil aus dem fortschrittlichen Frankreich, aus der Ile de France um Paris, kommen zum Einsatz: der schollenwendende Pflug, die Wassermühle u.a.


Aus dem Pariser Becken wandern Kolonisten
nach Süden, später auch Osten, zum Rhein. Die deutsche Ostsiedlung folgt dem Trend und mit ihr die tschechische, die Land in Ungarn unter den Pflug nimmt. Siedler aus Polen wandern nach Russland und vor allem in die Ukraine. Um 1300 dürften im Reich etwa 16 Millionen Menschen gelebt haben. Zwischen dem 12. und 14. Jh. ziehen etwa 500.000 bis 600.000 Personen nach Osten. Die Fürsten rufen und die Siedler kommen. Der deutsche Markgraf von Brandenburg zum Bei-
spiel, die Hochmeister des Deutschen Ordens,
oder die slawischen Territorialherren von Meck-
lenburg, Rügen, Pommern und Böhmen. Nationale Motivation fehlt bei der Erschließung der neuen Ländereien, es zählen Arbeitskraft, Steuerein-
nahmen, Verbesserung der Infrastruktur, wie
z. B. der Wegebau. Die Stärkung der Wirtschaft steigert dieMacht des Landesherrn.

Fürsten und Siedler
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Kein "Drang nach Osten"
Die mittelalterliche deutsche Ostsiedlungs-
bewegung ist daher mit dem Kolonialismus der Neuzeit nicht zu vergleichen. Sie ist auch kein spontaner Massenaufbruch, der einem „Drang nach Osten“ folgt, da sie weder zentral gesteuert noch vom Reich gelenkt wird. Vor allem Söhne
von Bauern und Adeligen, die auf keine existenz-
sichernde Erbschaft rechnen können, wagen den Schritt in die Fremde. Sie bringen neue Agrar-
techniken mit, die denen der eingesessenen Be-
völkerung überlegen sind. Der eiserne Scharpflug, der die Erde tief umwälzt, ersetzt den slawischen Hakenpflug, der die Erdoberfläche nur schwach ritzt. Pferde lösen die bisher als Zugtiere ver-
wendeten Ochsen ab. Die Sense wird eingeführt und die neuen Siedler wissen die Wälder rationell und in großem Umfang zu nutzen und zu fällen.
Die neuen Agrartechniken erlauben eine Ertrags-
steigerung bis zum Fünffachen der bisherigen Menge. Für ihre Leistungen erhalten die Kolo-
nisten im Allgemeinen eine günstigere Rechts-
stellung als sie in Heimat hatten. Da die weitaus meisten Siedler Deutsche sind, bürgert sich für dieses Kolonistenrecht der Name, „deutsches Rccht“ ein. Es sieht unter anderem Abgabefreiheit für die ersten Jahre vor, ebenso den möglichen Wiederverkauf des Nutzungsrechts für den Boden. Ein dichtes Netz von Dorf - und Stadtgründungen überzieht das Land. Bis 1500 sind es zwischen Elbe und Dnjepr, das in den Anfangszeiten aus-
schließlich von Deutschen bewohnt wird, über tausend.



