terlichen Geschichte einzigartige Schöpfung: West- und niederdeutsche Fernkaufleute grün-
den diese genossenschaftliche Vereinigung, die von der Mitte des 12. bis zum 14. Jh. die Nord- -
und Ostseeregion als Handelsgroßraum be-
herrscht. In der Hochblüte gehören der Hanse rund 200 See- und Binnenstädte in einem Gebiet zwischen den hanseatischen Aussenkontoren London, Brügge, Bergen und Nowgorod an. Dennoch ist die Hanse kein Städtebund, wie er
in Deutschland und um einiges früher in Italien auftrat, sie verfolgt eigene, andere Interessen:
Während die Städtebünde politische Ziele haben, zum Beispiel die Autonomie und den Rechtsstatus ihrer Mitglieder zu verteidigen, widmet sich die Hanse rein wirtschaftlichen Aufgaben. Sie schützt ihre Kaufleute im Ausland vor Willkür und Unge-
setzlichkeit und versucht bestehende Handelsbe-
ziehungen zu erweitern. Zu diesem Zweck führt die Hanse gelegentlich Krieg, doch unterhält sie weder Heer noch Kriegsflotte. Ihr Rechtsstatus
ist seltsam. Tritt sie doch manchmal an die Stelle kaiserlicher Gewalt, ohne die entsprechende Souveränität zu besitzen.


Von hier knüpfen die Kaufleute Kontakte zum russischen Nowgorod und gründen dort um
1200 den "St. Petershof". Von den im Ausland errichteten Außenkontoren der Hanse ist der vom englischen König mit Privilegien reich bedachte Stalhof (= Stapel hof) in London - nach Brügge (1252) das älteste an der Nordsee. Von Kölner Kaufleuten 1257 gegründet, nimmt der Stalhof Verbindungen zu flandrischen Städten auf und bildet bald den Mittelpunkt für den deutschen Handel mit dem Westen.
"Die deutsche Hanse ist [...J ein festes Bündnis von vielen Städten, Orten und Gemeinschaften zu dem Zweck, dass die Handelsunternehmungen zu Was-
ser und zu Land den erwünschten und günstigen Erfolg haben und dass ein wirksamer Schutz ge-
gen Seeräuber und Wegelagerer geleistet werde, damit nicht durch deren Nachstellungen die Kaufleute ihrer Güter und ihrer Werte beraubt würden ",
so beschreibt sich 1469 die Hanse in einem Brief an den englischen König selbst. Ab Mitte des 13. Jhs. liegt nahezu der gesamte Seehandel der Ost- und Nordsee in den Händen der Hanse. Ihre Tä-
tigkeit besteht in erster Linie im Zwischenhandel und seiner Organisation im Hinterland. Wolle aus England, feine Tücher aus Flandern, Wein aus dem Rheinland, Spitzen aus Brabant sind bevorzugte Handelswaren, gefolgt von Bier aus einigen Hanse-
städten (besonders aus Hamburg, Bremen, Dort-
mund und Danzig), Stockfisch aus Norwegen, Kupfer und Eisen aus Schweden, Pelzen und Fellen aus Russland und anderem mehr. Insgesamt liefert der Westen überwiegend gewerbliche Fertigwaren, der Osten Naturalien. Entsprechend unterschied-
lich fallen die Gewinne aus, die ein hanseatischer Kaufmann verzeichnet: Bei einer Handelstour von Nowgorod nach Brügge liegt er während des 14./15. Jhs. bei durchschnittlich 6%. Gewinne, im Fischhandel sind niedrig, dafür gleichmäßig.

Eine Flotte der Hanse
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Krieg gegen Dänemark
Auch eine Handelsvereinigung wie die Hanse
bleibt von Kriegen nicht verschont. Der Krieg
des dänischen Königs Waldemar IV. Atterdag
mit Schweden, in dem er das schottische Han-
delsgebiet der Hanse in Südschweden verwüstet, 1361 auch Gotland überfällt und Visby nieder-
brennt, ruft die Kaufleute auf den Plan: Der An-
griff einer unter Vertrag genommenen Kriegs-
flotte gegen Kopenhagen scheitert 1362.
Auf Drängen der preußischen Seestädte vereinigen sich in der Kölner Konföderation (1367) meh-
rere Hansestädte und andere Kommunen - wie Amsterdam und Briel erneut. Im April 1368 eröffnen sie mit 4 Schiffen den Krieg gegen Waldemar und besiegen ihn (Friede von Stral-
sund, 24. 5. 1370). Der Niedergang der Hanse beginnt im 15. Jh. mit dem Auftreten der Eng-
länder („ Merchant adventures“ und Holländer
im Ostseeraum. Noch mehr Gewicht kommt der krisenhaI ten Veränderung in der städtische Gesellschaft zu, die Unruhen in fa! allen großen Kommunen der Hans hervorruft. Auch der lübi-
sche Verfassungsstreit von 1408 bis 1416 bela-
stet die Handelsvereinigung stark, sie verlegt
ihre Leitung nach Hamburg dann nach Stral-
sund. Schritt für Schritt muss die Hanse ihre Kontore auflassen, zuerst in
Nowgorod (1494), danach in London (1598). Nominell besteht zwar
die Hanse noch bis zur Mitte des 17. Jhs. als Wirtschaftsmacht spielt sie aber keine Rolle
mehr.



