Frankfurt im Mittelalter    Soest im Mittelalter
Nürnberg im Spätmittelalter im Jahre 1493
"Was für einen Anblick bietet diese Stadt! Welcher Glanz, welch liebliche Lage, welche Schönheit, welche Kultur, welch vortreffliches Regiment."
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    Die Spätmittelalterliche
    Stadt von 1150 bis 1450

    Der Bericht des italienischen Humanisten und Kardinals von Siena, Piccolominibus, mag schmei-
    chelhaft erscheinen, aber dieses Bild einer mittel-
    alterlichen Stadt wie er sie beschreibt haben wir heute noch. Sie vermittelt den Eindruck politischer Selbstbehauptung und Wehrfähigkeit, ist Kristal-
    lisationskern für Wirtschaft und Gesellschaft und bietet der Landbevölkerung Schutz in Notzeiten. Seit Ende des 11. Jhs. beginnen die Bürger städ-
    tischer Siedlungen ihre Angelegenheiten durch eigene Beauftragte zu regeln, sie übernehmen die Aufgaben der Verteidigung, des Befestigungsbaus, der Rechtsprechung und erheben Steuern und Zölle.
Ein Stadtbad im Mittelalter. Da sage noch einmal die Menschen der damaligen Zeit wären prüde gewesen: Hier sind Männlein und Weiblein nackt traut beieinander

Ein Stadtbad zugänglich für Männlein
und Weiblein im Nacktsein.
Königsberg in Ostpreußen

Das mittelalterliche Königsberg
Die Spätmittelalterliche
Stadt von 1150 bis 1450
2.Teil

    In der Folgezeit entwickelt sich die Stadtkommune
    zu einer privilegierten Insel bürgerlicher Freiheit, Freizügigkeit und Rechtsgleichheit inmitten eines
    durch Bindung und Ungleichheit gekennzeich-
    neten feudal landwirtschaftlichen Umlandes. Kor-
    porationen und soziale Gemeinschaften, wie Zünf-
    te, Gilden, Bruder- und Nachbarschaften, Quar-
    tiere, Gassen und Pfarrsprengel gliedern und organisieren die Stadt in soziale und admini-
    strative Bereiche. In ihr haben Großkaufleute,
    Im -und Exporteure mit weiträumigen Geschäfts-
    verbindungen ihre Niederlassungen. Arbeitsver-
    hältnisse basieren auf Regeln die Rat und Zunft normieren und personenrechtlich frei und ver-
    traglich fixiert sind. Ordnung und städ- tisches Selbstbewusstsein drücken sich in zahlreichen Bauwerken aus: Rathaus, Markt, Waage, Zoll-
    haus, Getreidespeicher, Spital, Waisen- und Armenhaus, Pranger, Richtblock, Galgen, Bade-
    stuben und Freudenhäuser. Nirgends auf dem Lande ist die Infrastruktur so vielfältig wie in der Stadt.
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    Bürger wird, wer Geld hat

    Nicht alle Stadtbewohner sind in die Kommune integriert und besitzen das Bürgerrecht: Wer Bürger sein will. muss den Nachweis der Wohl-
    habenheit erbringen. Für den Bürgerstatus ist mitunter der Besitz von Grund und Boden er-
    forderlich. In Frankfurt etwa ist der Erwerb eines Grundstücks im Wert von 10 Mark vorgeschrie-
    ben. Ulm verlangt den Nachweis eines Vermögens von mindestens 200 Pfund Heller. Nördlingen 30 rheinische Gulden und München 90 Pfund Pfen-
    nige. Das heißt nicht, dass die Stadt nur Vermö-
    gende in die Bürgerschaft aufnimmt. Ärmeren Neubürgern wird die Aufnahmegebühr, das „Bür-
    gergeld“, gestundet, wenn ihnen zwei Bürgen beistehen. Die Abgaben werden zum Ausbau der Befestigungsanlagen, für der Unterhalt gemein-
    nütziger Anstalten verwendet. Juden als Nicht-
    christen, der Klerus und die Insassen von Klöstern stehen außerhalb der Bürgerschaft, sie finden in der Stadtgemeinschaft keine Aufnahme.

    Die Versuche der fränkischen Könige, neben den Zöllen auch die römischen Grund- und Kopfsteuern weiterzuführen, scheiterten. Die Steuerverzeichnisse waren veraltet, und es gab Widerstand gegen die Erhebung der Steuern.

    Widerstand gegen die Erhebung der Steuern


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    Der Rat der Stadt
    Zweiter Teil

    Wer vom Land in die Stadt flieht und binnen „Jahr und Tag“ vom Grundherrn nicht zurückbefohlen wird, findet Aufnahme in der Bürgergemeinschaft und ist frei von früheren Bindungen. In die Stadt zu ziehen mag für viele verlockend gewesen sein, aber Lebensqualität bietet sie keine. Die hohe Sterblichkeit während des ganzen Mittelalters ist zum Großteil auf die Lebensbedingungen in den Städten zurückzuführen. Das enge Zusammen-
    leben fördert die Ansteckung mit Krankheiten.
    Die mit vorragenden Geschossen überbauten, schmalen Gassen besitzen keine Kanalisation, Schweinekoben vor den Häusern, abgelagerter Mist, Fäkalien, die aus Mangel an Abtritten ein-
    fach auf die Straße geschüttet werden, geben Ungeziefer und Ratten Unterschlupf. Um durch
    den Straßenkot zu gelangen schnallen reiche Bürger hölzerne Unterschuhe, so genannte Trippen, an ihre Schnabelschuhe aus feinem Leder. Geflügel, Schweine, verwilderte Katzen
    und herrenlose Hunde streifen durch das Winkelwerk der Gassen. Die Hundeplage in Wien etwa nimmt derart überhand, dass der Magistrat eigene „Hundeschläger“ beschäftigt. Die Lebensverhältnisse auf dem Land sind nicht viel besser, aber die räumliche Beengtheit fällt meistens weg. Wenn man hier vor die Haustüre tritt, ist die Luft zwar „unfrei“, dafür aber gesünder.



    Stadtleben in einer mittelalterlichen Stadt mit Händlern.

    Spaziergang und Einkauf
       
 

Ulm zur mittelalterlichen Zeit

Ulm im Mittelalter

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Ein Gründungsboom

Die politische Bedeutung der freien Städte und Reichsstädte wächst als ihre Vertreter vom König zu den Hoftagen und später zu den Reichstagen geladen werden. Städtetage fördern die Kommu-
nikation untereinander, die Willensbildung und Willensäusserung gegen Belastungen und Auf-
lagen durch Kaiser und Fürsten. Dieses Idealbild der mittelalterlichen Stadt ist gewiss nicht für alle Kommunen im Reich zutreffend. Dennoch setzt ab dem Ende der Staufer, 1254, ein gewaltiger Städte-
gründungs - und Stadtrechtsverleihungs - Boom ein. Bis zur Mitte des 15. Jhs. zählt Deutschland ca. 4000 Städte, davon sind 25 - nach damaligen Begriffen - Großstädte. 16 Kommunen weisen 10.000 bis 20.000 Einwohner und 8 Städte 20.000 bis 40.000 Einwohner auf. Köln als die größte Stadt Deutschlands hat über 40.000 Einwohner. Städti-
sche Siedlungen im Norden und Osten des Reiches liegen im Durchschnitt etwa 7 bis 8 Wegstunden voneinander entfernt, im Süden und Westen 4 bis 5 Stunden. Aus der Stadtgründungsstatistik lassen sich drei Gruppen der Stadtbildung ableiten: 1. Kleinstädte in Gebieten mit starker territorialer Zersplitterung und in Räumen geringer wirt-
schaftlicher Entwicklung; 2. städtische Kümmer-
formen, wie unfertig gebliebene städtische Sied-
lungen oder Fehlgründungen und 3. Minderstädte, deren Gründung in eine Zeit demographischer, durch Seuchen, Kriege oder Missernten verur-
sachter Umschwünge fällt.

„Der berühmte, in dieser Formulierung allerdings von der Wissenschaft geprägte Satz „Stadtluft macht frei“, der sich an den landrechtlichen Satz „Luft macht eigen“ anlehnt, bedeutet, dass der Erwerb des Bürgerrechts und sein unangefoch-
tener Besitz oder auch nur unangefochtene An-
sässigkeit in der Stadt nach Jahr und Tag von bisheriger Gebundenheit und Unterworfenheit löse",

meint der Historiker Eberhard Isenmann.


Ein Reichstag im Mittelalter

Reichstag im Mittelalter.

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Der Rat der Stadt

Über lange Zeit bleibt der Zugang zu Rat und Magistrat der Stadt „ratsfähigen“ Familien vorbehalten, den Stadtpatriziern, die sich aus reichen Handels- und Kaufleuten reich gewor-
denen Ministerialen - das sind unfreie Dienstleute des Königs, die ab dem 13./ 14. Jh. den Kern des niederes Adels bilden - der Stadt zusammensetzen. Ab dem 14. Jh. zwingen die Zünfte der Handwerker und Gewerbetreibenden in viele Städten die Öff-
nung des Rates der städtischen Ämter für ihre Mitglieder. So sind im späten Mittelalter die Stadtgemeinden weit vom Ideal entfernt, all ihren Bewohnern Freiheit und Gleichheit zu bieten. Nur die so genannten Gründungsstädte,wie Lübeck, gewähren ihren Bewohnern Privilegien, die andere Städte nicht zugestehen. Die neuen Städte, von mächtigen Herren planmäßig angelegt (München, Freiburg im Breisgau), liegen an Knotenpunkten alter Handelswege, wo man Warentransporte kontrollieren und Zölle erheben kann. Da es an Neusiedlern fehlt, werben die Stadtherren mit besonderen Privilegien:

Der Rat einer Stadt

Der Rat einer Stadt
entsprechend heute dem Stadtrat


Leben im Mittelalter.
Leben im Mittelalter