Die Pest wütet in Europa    Die Pest wütet in Europa
Ausbreitung der Pest 1348
"In der Mitte des 14. Jahrhunderts wurden die meisten europäischen Länder von einer Reihe von Katastrophen heimgesucht, die nun so dicht auftraten wie nie zuvor, die größer als frühere ähnliche Ereignisse oder ganz neu waren."
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    Das Spätmittelalter

    Eigentlich hätten sich die Hungerperioden im Mittelalter und davon gibt es gar nicht so wenige - auf die Wachstumskurve der Bevölkerung aus-
    wirken müssen. Das ist aber nicht der Fall.
    Die im Zeitraum von 800 bis 1350 auftretenden zahlreichen Hungersnöte zeigen auf die Bevöl-
    kerung keine Auswirkungen. Demographen ver-
    muten, dass nur ganz bestimmte Bevölkerungs-
    kreise Opfer des Hungers wurden, nämlich die physisch Schwachen: viele Kleinkinder. Alte und Arme. Bedauerlicherweise verrät die Statistik nicht, (genau wie heute im 21. Jahrhundert bei Hartz IV) wie sehr Unterernährung im Zusam-
    menhang mit Infektionskrankheiten die Bevöl-
    kerung des Mittelalters dezimierte. Masern zum Beispiel führen im Mittelalter bei durch Hunger geschwächten Kindern zum Tod. (Im 21. Jahr-
    hundert geht die deutsche Bundesregierung wie-
    der ins Mittelalter zurück. Masern gibt es zwar auch heute noch, doch daran stirbt kaum noch jemand. In der heutigen Zeit sterben die Menschen – besonders die Schicht der unschuldig arbeitslos Gewordenen - an unzureichender und ungesunder Ernährung, die mit einem Satz von 345 € nicht bezahlt werden kann).
Zu allem Übel erreicht 1348 eine gewaltige Pestwelle, aus Ostasien kommend, auch Süddeutschland. Nun ist die Katastrophe vollständig.

Die Katastrophe ist vollständig
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Die Pest kommt
    Ein halbes Jahrtausend ist Europa von der Pest verschont geblieben, bis 1338 in der Wüste Gobi unter den mongolisch beherrschten Nestorianern des Balchaschsees in Transoxanien die Seuche ausbricht und entlang der Seidenstraße nach We-
    sten gelangt. Mit geradezu unheimlicher Ges -
    chwindigkeit erreicht sie 1346 Astrachan, springt von Handelsschiffen über das Meer und wütet be-
    reits im Sommer 1347 in Konstantinopel. Zwölf Genueser Kauffahrteischiffe steuern Ende Sep-
    tember Messina an und ab Oktober greift der schwarze Tod über Sizilien hinaus nach Norden. Drei oder vier Galeeren versuchen noch Genua anzulaufen doch die Kunde von von ihrer todbrin-
    genden Fracht ist ihnen schon vorausgeeilt, die Kapitäne müssen wenden, ankern in Marseille,
    hier weiß man noch nichts von der Katastrophe
    die Italien heimsucht. Die Kenntnisse der Medi-
    ziner des 14. Jhs. über Pestilenz und Ursachen sind denkbar dürftig. Wohl beschreiben Evagrius und Prokop bereits im 6. Jh. die Krankheitssymp-
    tome, aber erst 1894 wird der Erreger während einer Epidemie in Hongkong entdeckt. Seine Wir-
    te sind kleine Nager, im Besonderen Ratten, von denen er über den Pestfloh auf den Menschen übertragen wird. Solange der Floh über Wander-
    ratten verbreitet wird, bleibt die Seuche auf ein bestimmtes Gebiet begrenzt, infiziert aber der Pestfloh die Hausratte, gelangt der Erreger mas-
    senhaft in die menschlichen Siedlungsräume.
    Das geschieht 1347. Die schlimmen hygienischen Zustände dieser Zeit sind ein ausgezeichneter Nährboden für die Verbreitung des schwarzen Todes. Dieser Name rührt von den Auswirkungen einer besonderen Form der Pesterkrankung her, von den schwarzblau verfärbten Flecken am ganzen Körper und Beulen in Achselhöhlen, an Lenden und anderen Stellen eines an Beulenpest Erkrank-
    ten. Die so genannte Beulenpest ist gegenüber der Lungenpest noch die harmlosere Form der Er-
    krankung, der Patient hat Chancen zu überleben, doch die Lungenpest ist absolut tödlich.

    Der Pestüberträger: Die Ratte

    Der Pestüberträger: Die Ratte


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    Die grosse Landflucht

    Zu Pfingsten 1350 zieht der schwarze Tod in Lübeck ein und regiert in Bremen, ein Jahr danach in Hamburg. Schon 1349 ist Preußen
    über die Ostseehäfen sein Opfer geworden und
    ab 1351 ist man nirgendwo in Deutschland mehr sicher vor der Ansteckung. Die Verbreitung der Seuche wird durch die sanitär unzureichend ausgestatteten Wohnungen gefördert. Dazu trifft sie auf eine durch Engpässe in der Versorgung
    mit Grundnahrungsmitteln physisch geschwächte Bevölkerung. Das Massensterben auf dem Lande führt zu einer Verringerung der Arbeitskräfte,
    die Ernten können nicht eingebracht werden und die dramatische Verknappung an Lebensmitteln trifft wieder die Ärmsten und Schwächsten: Denn die Preise der Grundnahrungsmittel steigen, die für Grund und Boden verfallen gleichzeitig, weil niemand mehr für die Bewirtschaftung sorgt. In Massen flieht die Landbevölkerung in die Städte, im irrigen Glauben, dort Hilfe zu finden. Dörfer und Höfe verkommen zu Wüstungen. Adelige und kirchliche Grundbesitzer müssen empfindliche Einkommenseinbußen hinnehmen. Kleinbauern, die ihre Scholle nicht verlassen, profitieren, denn ihre Arbeitskraft ist begehrt und wird gut bezahlt. Um 1300 leben in Deutschland und Skandinavien etwa 11,5 Millionen Menschen. Hundert Jahre nach der großen Pest sind es noch immer erst 7,5 Millionen. Eine Regeneration der Bevölkerung setzt erst nach der Mitte des 15. Jhs. ein, die Bevölkerungszahl erreicht erst zu Beginn des 16. Jhs. den alten Stand.


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    Religiöser Wahn

    Den Zug des schwarzen Todes begleiten massen-
    hysterische Exzesse bei Geißlerumzügen und Aus-
    schreitungen gegen Juden. Selbstgeißelung als Ausdruck gesteigerter Askese üben italienische Einsiedler schon im 11. Jh. Ab dem 13. Jh. formie-
    ren sich die Geißler oder Flagellanten (lat. flagel-
    lum = Geißel) unter dem Eindruck religiöser und sozialer Erregung sowie von Endzeiterwartung zu einer Massenbewegung. Zum ersten Mal treten 1260 in Perugia Geißler in der Öffentlichkeit auf. Ein Jahr später erfasst die Bewegung Bayern und breitet sich in mehreren Wellen über fast ganz Europa aus. Der Straßburger Chronist Fritsche Closener berichtet 1349, dass zweihundert Geißler gekommen seien: Zweimal am Tage schlagen sie sich mit Geißeln. Aufnahme in die Bruderschaft findet nur, wer dreiunddreißigeinhalb Tage für die Sünden der Menschheit büßt. Geißler, Hunger, Pest und die sozialen Spannungen in den Städten zwischen Altbewohnern und Zuwanderern werfen schließlich die Frage nach den Verursachern dieses Elends auf. Wer forderte Gottes Zorn in einem solchen Maße heraus, dass der die Menschheit so straft? Und schon wie zur Zeit des Ersten Kreuzzugs findet man die vermeintlich Schuldigen rasch: die Juden.



    Und wieder einmal mussten die Juden her halten wofür sie gar nichts konnten.

    Wie zur Zeit des Ersten Kreuzzugs findet man die vermeintlich Schuldigen rasch: die Juden.
       
 

Geschichte wiederholt sich eben immer wieder. Der Wohlstand der Elite muss erhalten werden, koste es, was es wolle, die Bürger halten eh die Klappe. Auch das ist deutsche Geschichte, wie wir sie kennen.

Der schleichende Tod: Hartz IV.

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Hunger und Erdbeben

In der ersten Hälfte des 14. Jhs. treten Hungers-
nöte in Deutschland wie in Europa allgemein häu-
fig auf. Schwere Hungersnot herrscht zwischen 1315 und 1317. Rund 20 Jahre später überfallen Heuschreckenschwärme ungeheuren Ausmaßes Südostdeutschland. Kaiser Karl IV. berichtet in seiner Autobiographie, wie ihn eines Morgens im Jahr 1338 ein Ritter weckt:

"Herr, steh auf, der Jüngste Tag ist da, denn die ganze Welt ist voller Heuschrecken!"

Zehn Jahre später, im Januar 1348, erschüttern starke Erdbeben das östliche Alpengebiet bis nach Slowenien. Ein Regensburger Kaufmann, der in Villach Halt machte, berichtet, dass die Burgmau-
ern, die Kirche, das Kloster und alle Türme zu-
sammenstürzten. Etwa 5000 Menschen dürften in der Stadt während des Erdbebens umgekommen sein. Zu allem Übel erreicht 1348 eine gewaltige Pestwelle, aus Ostasien kommend, auch Süd-
deutschland. Nun ist die Katastrophe vollständig. (Bild oben links)


Die Pest in Konstantinopel

Im Sommer 1347 wütet die Pest bereits in Konstantinopel

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Die Ernten fallen aus

Über Venedig und Friaul gelangt die Seuche im Frühjahr 1348 in die österreichischen Länder.

"Die Pest schob sich kriechend nach Kärnten vor, um dann heftigst in der Steiermark zu wüten",

berichtet die Chronik des steirischen Stiftes Neuberg an der Mürz. Fast alle Chorherren kommen ums Leben. Die Felder liegen brach,
das Vieh streunt herum. Im Sommer kommt
der schwarze Tod in das Pustertal und den Vintschgau. Der Mönch Goswin aus der Abtei Marienberg berichtet:

"Besagte Seuche war unheimlich. Die einen hatten geschwollene Drüsen in der Leistengegend und starben unter starker Benommenheit innerhalb von drei Tagen. Die anderen hatten Blut im Speichel und Auswurf Und wer sich an solchen Drüsensekreten oder solchem Blut infizierte, starb."

Über Brenner und Reschen gelangt die Pest ins bayerische Vorland. In Mühldorf sterben am 29. 6. 1348 die ersten Pestkranken. Seltsamerweise breitet sich die Seuche nicht gleich weiter aus. Erst im folgenden Jahr erfasst sie das übrige Bayern. Ende 1348 stehen die Lombardei und das Tessin. dann auch das Rhönetal und die Westschweiz im Zeichen des schwarzen Todes. 14.000 Menschen sterben 1349 in Basel, dann springt er ins Elsass, wütet in Mülhausen, Colmar und Straßburg. Im gleichen Jahr fallen zehntausende Menschen in Wien der Pest zum Opfer. In Angsthalluzinationen meinen die Leute, sie hätten die "Pestjungfrau" gesehen: Als blaue Flamme entströme sie dem Mund des Pesttoten und fliege durch die Luft, berichten Betroffene. Hebt sie den Arm, stirbt wieder ein Mensch an der unheimlichen Seuche. Behörden, Kirche und Ärzte sind hilflos. Allgemein warnen sie, den Erkrankten näher zu kommen, weil man unweigerlich sterbe, komme man

"in die Nähe eines Kranken oder mit dessen Atem oder Ausdünstung oder Kleidung in Kontakt".

Eine Massenflucht setzt ein, die den schwarzen Tod bis in die entlegensten Alpentäler trägt. Zu Ostern 1349 erreicht die Pest Frankfurt am Main. Der Chronist Caspar Camentz schreibt:

"Im gleichen Jahr herrschte vom Magdalenentag bis Mariä Heimsuchung überall der Tod. Inner-
halb von 72 Tagen starben über 2000 Menschen. Am Morgen eines einzigen Tages begrub man 35 Personen ohne Glockenläuten Kerzen und Prie-
ster."

Eine Stadt nach der anderen fällt der Seuche an-
heim. Augsburg, Ulm, Stuttgart, Mainz, Kassel, Limburg. Nicht jedoch Prag, Nürnberg, Würzburg und viele Städte Schlesiens und Böhmens.


In Massen flieht die Landbevölkerung in die Städte, im irrigen Glauben, dort Hilfe zu finden.

Massenflucht der Landbevölkerung in die Städte


Der religiöse Wahn. Obwohl: heute würde man sie brauchen für den deutschen Bundestag, aber nicht um sich selbst zu geisseln, sondern für jene, die nur Murks auf den Weg bringen.

Die Geißler - oder auch Flagellanden genannt