Memories of Heidelberg
    
Weiter führt uns die Burgenstrasse ins romantische und viel besungene Heidelberg. Das wohl bekanntestes Lied über Heidelberg ist der Titel: "Ich hab' mein Herz in Heidelberg verloren..." Auch der Hit von Peggy March mit dem Titel "Memories of Heidelberg..." wurde damals ein Dauerbrenner. Heidelberg ist eine Großstadt im Südwesten Deutschlands, unweit der Mün-
dung des Neckar in den Rhein. Die ehemalige kurpfälzische Residenzstadt ist für ihre Schloß-
ruine oberhalb von Fluss und Altstadt und die Ruprecht-Karls-Universität, die älteste Hoch-
schule auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands, bekannt und zieht Wissenschaftler und Touristen aus aller Welt an. Mit über 140.000 Einwohnern ist Heidelberg die fünftgrößte Stadt Baden-Württembergs. Sie ist kreisfreie Stadt und zugleich Sitz des umliegenden Rhein-Neckar-Kreises. Das dicht besiedelte Gebiet, in dem Heidelberg gemeinsam mit Mannheim und Ludwigshafen liegt, wird als Metropolregion Rhein-Neckar bezeichnet, welches sogar meine eigene Heimatstadt Neustadt an der Weinstrasse mit einbezieht.

Heidelberg bei Nacht. Oben links das beleuchtete Heidelberger Schloss.

Der älteste Stadtteil Heidelbergs ist die Altstadt, der zwischen Neckar und Königstuhl gele-
gene historische Kern der Stadt. Dort befinden sich die meisten Sehenswürdigkeiten wie das Heidelberger Schloss. Wegen ihres reichen kulturellen Erbes bewarb sich Heidelberg 2004 und 2007 um eine Anerkennung der Altstadt als Weltkulturerbe der UNESCO. Zu diesem Stadtteil gehören auch die weiter außerhalb gelegenen Gebiete wie die Molkenkur, der Kohl-
hof und der Speyerer Hof. Zusammen mit der Altstadt bildet das westlich der Altstadt gele-
gene Bergheim die Innenstadt. Das ehemalige Dorf ist älter als die Altstadt. Überreste menschlicher Besiedlung lassen sich bis in die frühe Steinzeit zurückverfolgen. Bergheim wurde 769 erstmals im Lorscher Kodex urkundlich erwähnt. 1392 wurde das Dorf Bergheim auf-
gelöst und die Bewohner in die schnell wachsende Residenzstadt Heidelberg zwangsumge-
siedelt.
Wir beim Bummel durch die Altstadt Heidelbergs
Unmittelbar südwestlich der Heidelberger Innenstadt, also im Zentrum, befindet sich die West-
stadt, die im Süden in die Südstadt übergeht. Diese Stadtteile entstanden durch das rasche Bevölkerungswachstum Heidelbergs während der Industrialisierung sowie nach dem Zweiten Weltkrieg. Zur Südstadt gehören das Mark-Twain-Village und die Campbell-Kaserne, wo US-Soldaten mit ihren Angehörigen wohnen und arbeiten. Der sich zur Zeit in Gründung be-
findliche Stadtteil Bahnstadt schließt sich im Westen an die Weststadt an. Weiter südlich liegt der Stadtteil Rohrbach mit dem Hasenleiser und dem Bierhelder Hof. Nach Südosten wird Heidelberg durch die beiden noch jungen Stadtteile Boxberg und Emmertsgrund abgeschlos-
sen.

Mitten im Gewühl der Touristen

Der größte Stadtteil Heidelbergs ist Kirchheim. Kirchheim bildet den südwestlichen Teil Hei-
delbergs und wurde 1920 eingemeindet. Ebenfalls zu Kirchheim gerechnet werden der Kirch-
heimer Hof, das Patrick-Henry-Village (eine 1947 gegründete Siedlung der US-Army), der Pleikartsförster Hof sowie Neurott. Am Rande der Weststadt in Richtung Kirchheim, liegt das Notwohngebiet Im Mörgelgewann. Das Quartier liegt sozialräumlich und optisch abseits; es ist nur über eine Stichstraße erreichbar. Ursprünglich wurde es zur Unterbringung der Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet. 2008 leben hier rund 300 Menschen, die als Obdach-
lose von der Stadt Heidelberg notuntergebracht wurden. Am westlichen Rand Heidelbergs befindet sich der Pfaffengrund. Er lässt sich in ein nördlich gelegenes Industriegebiet und ein Wohngebiet im Süden aufteilen. Der Name Pfaffengrund leitet sich von dem mittelalterlichen Flurnamen ab, die Gegend selbst wurde bis 1920 als Ackerland verwendet. Weiter nördlich liegt Wieblingen mit dem Grenzhof und dem Ochsenkopf. Ebenso wie Kirchheim und der Pfaffengrund wurde Wieblingen 1920 ein Stadtteil Heidelbergs. Urkundlich erwähnt wurde Wieblingen erstmals im Lorscher Kodex im Jahr 767.

Gegenüber der Innenstadt, auf dem nördlichen Ufer des Neckars, liegt der Stadtteil Neuen-
heim. Die Entwicklung Neuenheims begann bereits in der vorrömischen Zeit. Es war der erste Stadtteil Heidelbergs, der 1891 durch Eingemeindung Teil des Stadtgebiets wurde. Im Neu-
enheimer Feld befindet sich der neue Campus der Ruprecht-Karls-Universität. Weiter nördlich liegt Handschuhsheim, das wenige Jahre nach Neuenheim, im Jahre 1903, eingemeindet wur-
de. Der Name Handschuhsheim geht vermutlich auf einen Gutsbesitzer im Frühmittelalter zu-
rück, in dessen Wappen eine Hand oder ein Handschuh abgebildet war. Im Osten, auf der Südseite des Neckars, liegt Schlierbach. Es wurde 1245 erstmals urkundlich erwähnt. Die Gegend zählt zu den gehobenen Wohngegenden Heidelbergs. Auf der anderen Neckarseite liegt Ziegelhausen mit dem Peterstal. Ziegelhausen wurde im Jahre 1220, einige Jahre vor Schlierbach, urkundlich erwähnt. Die Gegend wurde vermutlich bereits in römischer Zeit be-
siedelt.
    
Der Neckar durchquert Heidelberg.
Panorama von der Theodor-Heuss-Brücke.
Links: Neuenheim mit Neckarwiesen. Rechts: Die Altstadt.

Der Homo heidelbergensis, ein Urmensch, von dem der Neandertaler abstammt, erhielt seinen Namen, weil sein erster Fundort die Gemeinde Mauer südlich von Heidelberg war. Dort fand man 1907 in einer Sandgrube einen Unterkiefer (Unterkiefer von Mauer), einen der ältesten Funde der Gattung Homo in Europa überhaupt. Ab etwa 500 v. Chr. gründeten die Kelten auf dem Heiligenberg eine größere befestigte Siedlung. Deren doppelter Ringwall, zum Schutz gegen die vordringenden Germanen angelegt, ist noch zu erkennen. 200 Jahre später wurde diese Anlage aus ungeklärten Gründen wieder aufgegeben.

Blick vom Neckar auf das Schloss

Das römerzeitliche Heidelberg bestand vom 1. bis zum 3. Jahrhundert n. Chr. Um 70 n. Chr. gründeten die Römer ein Lager im heutigen Neuenheim, das um 90 durch einen steinernes Kastell ersetzt wurde. Über den Neckar führte zunächst eine hölzerne Brücke, ab ca. 200 eine Steinpfeilerbrücke. Auf dem Gipfel des Heiligenbergs entstand ein Merkurtempel, auch der Mithras-Kult war in Heidelberg verbreitet. Der Hauptort der Region war in römischer Zeit das benachbarte Lopodunum (heute Ladenburg), aber auch um das Militärlager in Heidelberg (dessen lateinischer Name unbekannt ist) entwickelte sich ein florierendes Töpfereizentrum. Nach 260 mussten sich die Römer vor dem Germanenstamm der Alamannen, der den Limes durchbrochen und in römisches Territorium eingefallen war, an den Rhein zurückziehen. Der Sieg des Merowingerkönigs Chlodwig I. über die Alamannen im Jahr 506 machte Heidelberg schließlich zu einem Teil des Frankenreichs, zugleich wurde das Gebiet christianisiert.
Heidelberg im Mittelalter

Wir vor dem Heidelberger Rathaus

870 wurde auf dem Gipfel des Heiligenbergs an Stelle des alten Merkurtempels das Michaels-
kloster als Filialkloster des Klosters Lorsch, das zu jener Zeit mit dem Bistum Worms um die Vorherrschaft in der Region rang, gegründet. Später folgten eine weitere Filiale, das Stephans-
kloster, und das Stift Neuburg. Die älteste schriftliche Erwähnung Heidelbergs stammt aus dem Jahr 1196. Es ist aber davon auszugehen, dass der Ort bereits im Laufe des 12. Jahrhunderts entstanden war. Zu jener Zeit war Heidelberg im Besitz des Bistums Worms und bestand aus einer Burg auf der Molkenkur am Hang des Königsstuhls und einem Burgweiler im Bereich der Peterskirche am Fuße des Berges. Viele der heutigen Stadtteile Heidelbergs gehen auf Dörfer zurück, die schon zur Frankenzeit im 6. Jahrhundert entstanden waren. Einige von ihnen wur-
den im Lorscher Kodex erstmals urkundlich erwähnt, Neuenheim und Handschuhsheim etwa im Jahr 765.

Auf dem Heidelberger Marktplatz

Der Vorgängerbau des Heidelberger Schlosses wurde im 13. Jahrhundert auf dem Jettenbühl errichtet, wohl zur gleichen Zeit wurde die Stadt im Bereich zwischen Königstuhl und Neckar planmäßig mit einem rechtwinkligen Grundriss und dem Marktplatz im Zentrum angelegt. Diese Stadtanlage nahm den östlichen Teil der heutigen Altstadt bis zur Grabengasse ein. Sie war von einer Stadtmauer umgeben, über den Neckar führte eine Brücke.

Der Heidelberger Kornmarkt

Kaiser Friedrich I. Barbarossa hatte 1156 seinen Halbbruder Konrad den Staufer zum Pfalz-
grafen bei Rhein ernannt. Die Pfalzgrafschaft wurde von der Dynastie der Wittelsbacher regiert und entwickelte sich zu einem größeren Territorialgebilde innerhalb des Heiligen Römischen Reichs. Im Jahr 1225 erhielt der Pfalzgraf bei Rhein das vormalig Wormser Heidelberg als Lehen. In der Goldenen Bulle erhielten 1356 die Pfalzgrafen bei Rhein die Kurwürde. Von da an waren sie als Kurfürsten von der Pfalz bekannt und ihr Herrschaftsgebiet wurde als Kur-
pfalz bezeichnet. Anfangs hatten die Pfalzgrafen keine feste Residenz sondern hielten sich an verschiedenen Orten ihres Herrschaftsbereichs auf. Schon im 13. Jahrhundert hatte Heidelberg den Charakter einer Residenzstadt entwickelt und als im 14. Jahrhundert die Reiseherrschaft aufgegeben wurde, konnte sich die Stadt gegen Neustadt an der Haardt (das heutige Neustadt an der Weinstrasse) durchsetzen und wurde zur Hauptstadt der Kurpfalz.

Bummel durch die Altstadt bei strahlend blauem Himmel

Im Jahr 1386 gründete Ruprecht I. die Universität Heidelberg als dritte Hochschule im Heiligen Römischen Reich (nach Prag und Wien). Sie ist die älteste Universität in Deutschland. 1392 wurde Heidelberg umfangreich erweitert, das Stadtgebiet nahezu verdoppelt und entsprach der heutigen Altstadt. Von der Herrschaft Ruprechts III., der im Jahr 1400 als Ruprecht I. zum römisch-deutschen König gewählt wurde, profitierte Heidelberg durch den Bau der Heilig-
geistkirche. Seine Nachfolger machten die Universität Heidelberg gegen Ende des 15. Jahr-
hunderts zu einer Hochburg des frühen Humanismus.
Mal leger gekleidet beim Capuccino trinken
Heidelberg in der Neuzeit
Martin Luthers reformatorische Ideen hatten sich schon in der ersten Hälfte des 16. Jahrhun-
derts in Südwestdeutschland verbreitet. Unter Kurfürst Ottheinrich (1556–1559) wurde in der Kurpfalz schließlich die Reformation eingeführt. Nach dem Übergang zum Calvinismus zog Heidelberg Studenten und Wissenschaftler aus ganz Westeuropa an und galt nach Leiden als drittes Genf. Gegen Ende des Jahrhunderts wurde in Heidelberg eine Vielzahl prächtiger Re-
naissancebauten errichtet, die – abgesehen vom Haus zum Ritter – im Pfälzer Erbfolgekrieg allesamt zerstört wurden. Auch das Schloss wurde damals wesentlich erweitert und von der mittelalterlichen Burg zu einer neuzeitlichen Residenz umgestaltet.

Um seiner Gattin, der englischen Königstochter Elisabeth Stuart, ein standesgemäßes Hofleben bieten zu können, ließ Kurfürst Friedrich V. (1610–1623) das Heidelberger Schloss durch den Bau des Hortus Palatinus umgestalten. Auf politischem Terrain war Friedrich als Führer der Protestantischen Union in die Wirren des Dreißigjährigen Kriegs verwickelt, als er sich 1619 zum böhmischen König wählen ließ. Er konnte sich aber nicht gegen den katholischen Kaiser durchsetzen und wurde 1620 in der Schlacht am Weißen Berge geschlagen. Wegen seiner kurzen Herrschaft ging er als Winterkönig in die Geschichte ein. Im Jahr 1622 eroberte Tilly als Heerführer der Katholischen Liga Heidelberg und erbeutete die berühmte Bibliotheca Palatina. Herzog Maximilian I. von Bayern schenkte sie Papst Gregor XV.. Sie wird in der Bibliotheca Vaticana verwahrt. Heidelberg wurde im Krieg schwer mitgenommen, die Be-
völkerung litt große Not. Im Westfälischen Frieden, der 1648 den Dreißigjährigen Krieg be-
endete, wurde die Kurpfalz wiederhergestellt, sie verlor aber viel von ihrem politischen Ge-
wicht.

Als Kurfürst Karl II. 1685 kinderlos verstarb, erlosch die Linie Pfalz-Simmern des Hauses Wittelsbach und die Kurfürstenwürde ging auf die katholische Nebenlinie Pfalz-Neuburg über. Aus den Erbansprüchen, die der französische König Ludwig XIV. nun mit Verweis auf seine Schwägerin Elisabeth Charlotte (besser bekannt als Liselotte von der Pfalz) erhob, resultierte der Pfälzische Erbfolgekrieg. Im Verlaufe dieses Krieges wurde Heidelberg zweimal, 1688 und 1693, von französischen Truppen eingenommen und dabei komplett verwüstet. Nachdem der Erbfolgekrieg 1697 beendet war, baute man das zerstörte Heidelberg im Stil des Barock auf mittelalterlichem Grundriss wieder auf. Die nunmehr katholischen Kurfürsten siedelten in der Stadt Jesuiten an.

Das Heidelberger Schloss war nach der Zerstörung durch die Franzosen unbewohnbar, entsprach aber ohnehin nicht mehr dem barocken Zeitgeschmack, der großzügige Schlossanlagen nach dem Vorbild von Versailles bevorzugte. Pläne, eine solche Residenz in der Ebene im Bereich des heutigen Stadtteils Bergheim zu bauen, scheiterten am Widerstand der Heidelberger Bürgerschaft, und so entschloss sich Karl III. Philipp 1720 nach einem Streit mit den Heidelberger Protestanten, seine Residenz nach Mannheim zu verlegen. In der Quadratestadt, die dem barocken Zeitgeist und dem Repräsentationsinteresse des Kurfürsten weitaus mehr entsprach als das mittelalterliche Heidelberg, ließ er das prunkvolle Schloss Mannheim errichten. Heidelberg verlor seine Stellung als politisches Machtzentrum und litt auch ökonomisch durch den Weggang des Hofstaats. Von der Herrschaftszeit Kurfürst Carl Theodors (1743–1799) profitierte aber auch Heidelberg durch den Bau der Alten Brücke und des Karlstores. Die Instandsetzung des Schlosses wurde 1764 nach einem verheerenden Blitzschlag wieder eingestellt.

Auf Wiedersehen Heidelberg

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