| Zu einer Bedrohung des Christentums wurden erst
wieder die Regierungen des Decius (248-251 n. Chr.), der das Volk geschlossen
zum Opfer antreten und die Teilnahme per Opferschein bestätigen ließ
(im Grunde patriotisch-nationales Getöse eines wegen seiner Herkunft
unsicheren Herrschers), und die des Valerian (253-269 n. Chr.), die zunächst
auf die Führungen der Gemeinden zielte und sich zu systematischer
verfolgung ausweitete.
Weitere Verfolgung brachten die Unterdrückungsversuche
unter Diokletian, der sich als Verkörperung des Jupiter verehren ließ,
um dem Reich einen nationalen Bezugspunkt zu verschaffen, und die Verfolgungen
des Galerius Anfang des 4. Jahrhunderts. In dieser Zeit wurden etliche
Christen zu Märtyrern, deren meist übertrieben grausames Ende
in den Heiligenlegenden lebhafte Schilderung erfuhr (vgl. de Voragine,
Legenda Aurea).
Aber das Christentum war längst ein Massenphänomen
geworden und die Standhaftigkeit der Christen beeindruckte die Bewohner
des längst morschen Imperiums mehr, als daß sie wegen der Gewalt
von diesem Glauben ließen.
313 schließlich gewährte Konstantin
mit dem Mailänder Edikt auch dem Christentum Religionsfreiheit, das
380 sogar zur Staatsreligion wurde. Nun kehrten sich die Verhältnisse
um und die christlichen Machthaber begannen ihrerseits, gegen die hergebrachten
heidnischen Kulte vorzugehen, besonders aber traf ihre Gewalt Abweichler
in den eigenen Reihen.
Die Begründung für die Christenverfolgungen
waren weniger der Glaube an Jesus Christus, denn Rom verfolgte zwar eine
brutale imperialistische Politik, zeichnete sich nach innen aber durch
außerordentliche Toleranz gegenüber fremden Religionen aus.
Sogar die Gottheiten verfeindeter Völker wurden niemals in Frage gestellt,
sondern bereitwillig in das Pantheon aufgenommen.
Vielmehr machten sich die Christen strafbar,
weil sie sich weigerten, die staatlich vorgeschriebenen Abgaben und Dienste
zu leisten, insbesondere den Kaiserkult betreffend, der als Klammer die
Einheit des Reiches trotz der Verschiedenheit der Kulturen fördern
sollte, bei Juden und Christen allerdings wegen ihres streng monotheistischen
Glaubens auf Ablehnung stieß.
Allerdings war dieser Kaiserkult wohl nicht so
übertrieben, wie man es sich vielleicht vorstellen mag und den Juden
- auch die Christen galten als eine jüdische Sekte - in Rom waren
von der Pflicht entbunden, den römischen Staatsgöttern zu huldigen.
Auch sagte Jesus selbst, man solle dem Kaiser geben, was des Kaisers ist,
mit Blick auf eine römische Münze, die das Konterfei des Kaisers,
vermutlich Augustus, trug (Markus 12, 13-17). Ohnehin galt ihm die Welt
mehr als Übergang, der sowieso bald vom Jüngsten Gericht beendet
würde.
Erst als der angekündigte Weltenbrand vorerst
ausblieb, machten sich verschiedentlich Christen daran, durch das Legen
von Bränden, bevorzugt in heidnischen Tempeln, Gott zum Endgericht
zu "ermuntern".
Es ist offensichtlich, daß die christliche
Geschichtsschreibung die Christenverfolgungen unabhängig von Bewegründen
und Umfang propagandistisch ausgeschlachtet wurden, da Geschichtsfälschung
bis weit über das Mittelalter hinaus übliche Praxis kirchlicher
Politik war und derartige Geschichtsschreibung bis in die heutige Zeit
üblich ist, auch und besonders außerhalb der Kirche(n), wie
überhaupt jegliche staatliche Verfassung sich selbst als das Nonplusultra
menschlichen Miteinanders darstellt. |