Römische Kaiser versuchten mehrfach, das sich ausbreitende Christentum, das von einer jüdischen Sekte mehr und mehr zur eigenständigen Kraft wurde, durch Verfolgungen zu dämpfen.

Vor den Römern war allerdings Saulus von Tyrus der erste entschlossene Christenverfolger, der der Steinigung des ersten Märtyrers Stephanus mit Wohlwollen beiwohnte (Apostelgeschichte 7,54-8,1). Der erlebte jedoch die Bekehrung und war fortan als Paulus entschlossenster Verfechter des neuen Glaubens (Apostelgeschichte 9f.).

Die erste organisierte Verhaftung von Christen unternahm Kaiser Nero im Jahre 64, der wohl besonders darum als garstiger Herrscher in die Geschichte einging. Allerdings beschränkte er seine Maßnahmen auf die von Petrus und Paulus in Rom begründete Gemeinde der Stadt Rom. Den Christen wurde vorgeworfen, den Brand Roms verursacht zu haben. Dieser Vorwurf traf auch Nero selbst, doch bleiben Annahmen in diese wie jene Richtung unbewiesen.
Nero jedenfalls dürfte erleichtert gewesen sein, einen Sündenbock zu haben. Solcherlei Vorgehen ist ja auch der Gegenwart nicht völlig fremd.

Dabei sollte man auch nicht übersehen, daß ein Großteil jener Christen in der Wahrnehmung des Römers weniger als Christen gesehen worden dürften denn als eine unter diversen Sekten der Juden - und gegen die unternahm Rom wenig später den von Flavius Josephus eindringlich beschriebenen Feldzug Vespasians (67n.), der in der Zerstörung des Tempels zu Jerusalem gipfelte.

Nach Nero ging Kaiser Domitian erneut gegen den jungen Glauben vor, doch bereits Kaiser Trajan unterband um 112 grundlose Anschuldigungen und erließ Anweisung an die Sicherheitskräfte, anonymen Anzeigen nicht weiter nachzugehen (was es zuvor offenbar gegeben hatte). So jedenfalls bestätigte er es dem Plinius auf dienstliche Anfrage und die christlichen Gemeinden blieben weitgehend unbehelligt.
Zu einer Bedrohung des Christentums wurden erst wieder die Regierungen des Decius (248-251 n. Chr.), der das Volk geschlossen zum Opfer antreten und die Teilnahme per Opferschein bestätigen ließ (im Grunde patriotisch-nationales Getöse eines wegen seiner Herkunft unsicheren Herrschers), und die des Valerian (253-269 n. Chr.), die zunächst auf die Führungen der Gemeinden zielte und sich zu systematischer verfolgung ausweitete.

Weitere Verfolgung brachten die Unterdrückungsversuche unter Diokletian, der sich als Verkörperung des Jupiter verehren ließ, um dem Reich einen nationalen Bezugspunkt zu verschaffen, und die Verfolgungen des Galerius Anfang des 4. Jahrhunderts. In dieser Zeit wurden etliche Christen zu Märtyrern, deren meist übertrieben grausames Ende in den Heiligenlegenden lebhafte Schilderung erfuhr (vgl. de Voragine, Legenda Aurea).
Aber das Christentum war längst ein Massenphänomen geworden und die Standhaftigkeit der Christen beeindruckte die Bewohner des längst morschen Imperiums mehr, als daß sie wegen der Gewalt von diesem Glauben ließen.

313 schließlich gewährte Konstantin mit dem Mailänder Edikt auch dem Christentum Religionsfreiheit, das 380 sogar zur Staatsreligion wurde. Nun kehrten sich die Verhältnisse um und die christlichen Machthaber begannen ihrerseits, gegen die hergebrachten heidnischen Kulte vorzugehen, besonders aber traf ihre Gewalt Abweichler in den eigenen Reihen.

Die Begründung für die Christenverfolgungen waren weniger der Glaube an Jesus Christus, denn Rom verfolgte zwar eine brutale imperialistische Politik, zeichnete sich nach innen aber durch außerordentliche Toleranz gegenüber fremden Religionen aus. Sogar die Gottheiten verfeindeter Völker wurden niemals in Frage gestellt, sondern bereitwillig in das Pantheon aufgenommen.
Vielmehr machten sich die Christen strafbar, weil sie sich weigerten, die staatlich vorgeschriebenen Abgaben und Dienste zu leisten, insbesondere den Kaiserkult betreffend, der als Klammer die Einheit des Reiches trotz der Verschiedenheit der Kulturen fördern sollte, bei Juden und Christen allerdings wegen ihres streng monotheistischen Glaubens auf Ablehnung stieß.

Allerdings war dieser Kaiserkult wohl nicht so übertrieben, wie man es sich vielleicht vorstellen mag und den Juden - auch die Christen galten als eine jüdische Sekte - in Rom waren von der Pflicht entbunden, den römischen Staatsgöttern zu huldigen. Auch sagte Jesus selbst, man solle dem Kaiser geben, was des Kaisers ist, mit Blick auf eine römische Münze, die das Konterfei des Kaisers, vermutlich Augustus, trug (Markus 12, 13-17). Ohnehin galt ihm die Welt mehr als Übergang, der sowieso bald vom Jüngsten Gericht beendet würde.

Erst als der angekündigte Weltenbrand vorerst ausblieb, machten sich verschiedentlich Christen daran, durch das Legen von Bränden, bevorzugt in heidnischen Tempeln, Gott zum Endgericht zu "ermuntern".

Es ist offensichtlich, daß die christliche Geschichtsschreibung die Christenverfolgungen unabhängig von Bewegründen und Umfang propagandistisch ausgeschlachtet wurden, da Geschichtsfälschung bis weit über das Mittelalter hinaus übliche Praxis kirchlicher Politik war und derartige Geschichtsschreibung bis in die heutige Zeit üblich ist, auch und besonders außerhalb der Kirche(n), wie überhaupt jegliche staatliche Verfassung sich selbst als das Nonplusultra menschlichen Miteinanders darstellt.

Das Martyrium der 12 Apostel - Paulus zählte
allerdings nicht dazu. Er war kein Apostel.
Ein wesentliches Element im Konflikt zwischen den Christen und dem römischen Staat bildete die Bereitschaft der Christen zum Martyrium, das gleichsam eine Gewähr für die himmlische Seeligkeit bot. In diesem Zusammenhang steht die früh einsetzende Legendenbildung um die Martyrien der Apostel; die Bibel selbst berichtet - abgesehen vom Tod des Stephanus, des ersten Märtyrers (Apg 7) - lediglich vom Tod des Jakobus d.A. (Apg 12,2), den Herodes Agrippa enthaupten ließ. Die folgende Bilder zeigen die Martyrien der 11 Apostel und des Paulus in der Darstellung Stefan Lochners (um 1410 bis 1451.


 
Petrus: Er wurde mit dem Kopf nach unten gekreuzigt.
Paulus-kein Apostel: Er wurde enthauptet (allerdings nicht bewiesen)


 

Tomas: Ihm wurde die Kehle durchgeschnitten.
Philippus: Wurde mit den Armen und frei ohne Halt über die Kreuzbalken gebunden. 


 

Andreas: Wurde am X-Kreuz festgebunden und zu Tode gequält.
Johannes: Starb lebendigen Leibes in siedend heißem Wasser.


 

Jakobus d.J.: Er wurde mit den Füßen nach oben gezogen und mit Knüppeln totgeschlagen.
Mattäus: Wurde förmlich hingeschlachtet durch Messer - und Schwertstiche, sowie Lanzen - und Hellebardenstöße.


 

Jakobus d.Ä.: Enthauptung durch einen Schwerthieb.
Bartolomäus: Ihm wurde bei lebendigem Leib die Haut vom Körper gezogen.


 

Simon Zelotes und Judas Taddäus: Simon wurde mit dem Schwert die Stirn gespalten und Judas Taddäus wurde mit der Axt erschlagen.