Das gute alte Rom. Das Leben ging seinen Gang. Doch hinter den Kulissen tobte der Machtkampf.
Im Juli 46 v. Chr. feierte Caesar in Rom seinen großen vierfachen Triumph (über Gallien, Ägypten, Pontos und Mauretanien), in dem auch Arsinoë auftreten musste und von den Massen bemitleidet wurde.(Als der Diktator seiner Geliebten Kleopatra faktisch die ganze Macht über Ägypten gab, ließ er gleichzeitig ihre jüngere Schwester Arsinoë außer Landes schaffen. Diese musste im Juli 46 v. Chr. auch in Rom bei Caesars großen Triumphzug auftreten). Die zuschauenden Römer bedauerten aber die gefesselte Königstochter, während sie sich über die ebenfalls zur Schau gestellten Bilder der besiegten Feinde Potheinos und Achillas freuten. Danach durfte Arsinoë in den Tempel der Artemis in Ephesos ins Exil gehen. Caesar wird zum Diktator auf Lebenszeit ernannt. Auf Caesars Einladung verließ Kleopatra im Juni 46 v. Chr. Ägypten und reiste mit ihrem Brudergemahl Ptolemaios XIV., großem Gefolge und höchstwahrscheinlich auch mit Caesarion nach Rom. Unbekannt ist, ob sie schon bei Caesars Triumph anwesend war und die Demütigung ihrer Schwester mit ansah oder erst danach in Rom ankam. Offiziell galt ihr Staatsbesuch der Unter-
zeichnung eines Bündnisses zwischen Ägypten und Rom, doch hoffte die ägyptische Königin sicher, durch ihre persönliche Anwesenheit mehr Einfluss auf Caesar ausüben zu können, der vielleicht auch seine Geliebte in der Nähe haben wollte. Der Diktator quartierte sie und ihre Begleiter in einem seiner Häuser jenseits des Tiber ein.
Kleopatra reist auf Einladung Caesars in die römische Hauptstadt Rom.
Kleopatras Barke kurz vorm Einlaufen in den Hafen Roms.
Kleopatras Ankunft im Hafen.
Die römische Bevölkerung wartet gespannt auf die Ankunft Kleopatras.
Auch Caesar und die Senatoren beobachten das prachtvolle Spektakel. (Letztere aber ziemlich skeptisch).
Trompeter kündigen das Kommen ihrer Königin an.
Tänzer und Tänzerinnen bieten einen Geschmack auf das noch zu Kommende.
Langsam nähert sich der Höhepunkt...
...nach diesen Tuchschwenkerinnen und Schwenkern ist es dann soweit...
Kleoptra, die Königin des Nils hält prunkvollen Einzug.
Selbst die Senatoren waren von Kleopatras prunkvollem Einzug überrascht..
Die Königin des Nils steigt würdevoll mit Caesars Söhnchen die Treppe hinunter
und schreitet majestätisch direkt zu Caesar.
Kleopatra schreitet auf Caesar zu.
Was den beiden bei ihrer Begegnung durch den Kopf ging entzieht sich unserer Kenntnis. Sicher ist aber, dass die Bevölkerung zunächst einmal begeistert jubelte.
Kleopatra steht mit ihrem Söhnchen vor dem (noch) mächtigen Caesar.
Dieses Augenzwinkern sah nur Caesar.
Das Volk jubelt und weiß nicht welche Intrigen bereits gegen Caesar gesponnen werden.
Wie bereits erwähnt quartierte Caesar sie und ihre Begleiter in einem seiner Häuser jenseits des Tiber ein. In ihrem Domizil in Caesars Villa scheint Kleopatra eine glänzende und kultivierte Hofhaltung etabliert zu haben. Offensichtlich veranstaltete sie luxuriöse Gartenfeste und Bankette, die wohl von zahlreichen hoch-
stehenden Römern besucht wurden. Viele der Caesar gegenüber oppositionellen Senatoren dürfte die An-
wesenheit der orientalischen Potentatin in Rom irritiert haben, weil sie von ihr herablassend behandelt wurden. Besonders die erhaltenen Briefe Ciceros lassen erkennen, wie unsympathisch und hochmütig der Redner – und mit ihm wohl viele Senatoren – die ägyptische Königin fand, die er als eine anmaßende Va-
sallenherrscherin betrachtete. Diese Briefe verfasste er erst nach Kleopatras Abreise aus Rom, als sie keine Gefahr mehr darstellte. Vermutlich wollten viele römische Politiker die Gunst von Caesars Geliebter ge-
winnen, die wohl aufgrund ihres Einflusses auf den Diktator kräftig in der Weltpolitik mitzumischen suchte.
Die Senatoren überreden Brutus seinen Stiefvater zu ermorden.
Caesar strebte immer deutlicher sichtbar nach der Alleinherrschaft und wurde dabei wohl von Kleopatra bestärkt. Unter ihrem Einfluss gebärdete er sich zunehmend wie ein hellenistischer Herrscher und gestaltete danach auch seine Religionspolitik, indem er sich etwa göttliche Ehren erweisen ließ. Die in einer absoluten Monarchie aufgewachsene Kleopatra hatte kein Verständnis für die Machtansprüche der Senatoren und Caesar lehnte ebenfalls die römische Tradition einer republikanischen Staatsform – offenbar auch aufgrund autokratischer Ideen des Ostens – immer mehr ab. Die Römer fürchteten wohl, dass Caesar die Errichtung eines Königreichs nach hellenistischem Vorbild, mit römischen Elementen gemischt, anstrebte und durch die Heirat mit der Ptolemäerin eine neue Dynastie gründen wollte. Dementsprechend kursierten Gerüchte über eine Verlegung der Hauptstadt nach Alexandria und der Volkstribun Gaius Helvius Cinna behauptete angeblich, dass Caesar ein offensichtlich auf eine Heirat mit Kleopatra gemünztes Gesetz durchbringen wollte, das ihm mehrere legitime Ehen, auch mit Frauen nichtrömischer Herkunft, gestattet hätte. So dürfte die ägyptische Königin zur wachsenden Missstimmung der Aristokraten gegenüber dem Diktator beigetragen haben, dass Caesar letzendlich ermordet wurde.
Caesar spielt ahnungslos mit seinem Söhnchen, während ihn Kleopatra vor seiner Ermordung warnt.
Kleopatras Ahnung hat sich bewahrheitet: Caesar wurde von seinem Stiefsohn Brutus erdolcht.
Mit dem Tod Caesars hatte Kleopatra ihre Machtstellung im Römischen Reich verloren. Im Testament des Diktators wurde sie nicht erwähnt, bald herrschten erbitterte Kämpfe um seine Nachfolge und die Königin musste als Hassobjekt vieler Senatoren sogar um ihr eigenes Leben fürchten. So flohen Kleopatra und ihre Begleiter sehr bald aus Rom und kehrten an den Nil zurück.
Kleopatra verabschiedet sich von Marcus Antonius, der die Ermordung Caesars nicht verhindern konnte.
Während Kleopatra im Innern die Lage ihres Landes stabilisierte, musste sie auch die im Römischen Reich tobenden Machtkämpfe beobachten. Die führenden Gegner der Caesarmörder waren Marcus Antonius und Octavian, die aber nicht miteinander harmonierten. Während Antonius ein ausgezeichneter Feldherr, Frauenheld, Draufgänger und Liebling seiner Soldaten war, außerdem schon eine bedeutende Machtstellung besaß, war der zwei Jahrzehnte jüngere, erst 18jährige Octavian neu auf dem politischen Parkett, oft kränklich und militärisch unerfahren, dafür kühl berechnend und jeden seiner Schritte sorgfältig abwägend; er verdankte den Grundstein seines raschen politischen Aufstiegs nur Caesars Testament. In den Monaten nach den Iden des März 44 v. Chr. war Antonius als Konsul faktisch Alleinherrscher in Rom und behinderte Octavians Karriere nach Kräften. Durch ein Bündnis mit dem Senat unter Ciceros Führung besiegte der Caesarerbe zunächst vorübergehend Antonius, schaltete aber Mitte 43 v. Chr. nach der Besetzung Roms den Senat aus und versöhnte sich mit Antonius. Dieser schloss mit Octavian und Lepidus das Zweite Triumvirat, das den drei Männern nahezu gleiche Vollmachten wie einst Caesar einräumte. Tausende Ritter und Sena-
toren fielen den nun verhängten Proskriptionen zum Opfer; ihr Vermögen wurde eingezogen und diente den Triumvirn zur Finanzierung des Krieges gegen die Caesarmörder.
Die führenden Gegner der Caesarmörder waren Marcus Antonius der schon eine bedeutende Machtstellung besaß. Hingegen war der zwei Jahrzehnte jüngere, erst 18jährige Octavian neu auf dem politischen Parkett.
Indessen waren Brutus und Cassius von Italien in den Osten übergesetzt, um sich dort ein Herrschaftsgebiet zu schaffen. Aufgrund ihrer Vergangenheit hielt Kleopatra zu den Caesarianern und verbündete sich Anfang 43 v. Chr. mit deren Anführer im Osten, Publius Cornelius Dolabella, der dafür Caesarion als ihren Mitre-
genten anerkannte. Die Königin sandte ihm die vier in ihrem Land stationierten Legionen, die jedoch zu Cassius überliefen. Dolabella geriet in Syrien im Kampf gegen Cassius in eine aussichtslose Situation und verübte im Juli 43 v. Chr. Selbstmord. Schon vorher hatte der Caesarmörder die Übersendung von Schiffen und Vorräten von Kleopatra verlangt, die aber trotz Cassius’ mächtiger Stellung mit Hinweis auf die in Ägypten herrschenden Hungersnöte ablehnte. Kleopatras Stratege auf Zypern, Serapion, lieferte aber gegen den Willen seiner Herrin seine Flotte an Cassius aus. Die von Cassius geplante Invasion Ägyptens kam nicht zustande, weil ihn Brutus Ende 43 v. Chr. dringend nach Kleinasien zurückrief. Kleopatra fuhr nun mit ihrer Flotte von Alexandria aus nach Westen, um die Schiffsmacht der Caesarianer zu verstärken, doch zog ein Sturm ihre Schiffe stark in Mitleidenschaft und erzwang zusammen mit ihrer Erkrankung ihre Rückkehr, sodass Antonius und Octavian im Oktober 42 v. Chr. in der entscheidenden Schlacht bei Philippi ohne ägyp-
tische Unterstützung über die Caesarmörder siegten. Fälschlich schlossen einige Historiker aus diesem Umstand, dass sich Kleopatra im römischen Bürgerkrieg neutral verhalten habe.
Kleopatra fuhr nun mit ihrer Flotte von Alexandria aus nach Westen, um die Schiffsmacht der Caesarianer zu verstärken, doch zog ein Sturm ihre Schiffe stark in Mitleidenschaft und erzwang zusammen mit ihrer Er -
krankung ihre Rückkehr, sodass Antonius und Octavian im Oktober 42 v. Chr. in der entscheidenden Schlacht bei Philippi ohne ägyptische Unterstützung über die Caesarmörder siegten.
Marcus beobachtet entsetzt wie Kleopatras Schiffe abdrehen.
Durch ein Bündnis mit dem Senat unter Ciceros Führung besiegte der Caesarerbe zunächst vorübergehend Antonius, schaltete aber Mitte 43 v. Chr. nach der Besetzung Roms den Senat aus und versöhnte sich mit An- tonius. Im Oktober 42 v. Chr. in der entscheidenden Schlacht bei Philippi siegten Antonius und Octavian ohne ägyptische Unterstützung über die Caesarmörder.
Kleopatra empfängt Marcus Antonius an Bord ihrer vergoldeten Prachtgaleere mit Purpursegeln.
Da Antonius den Hauptanteil am Sieg der Triumvirn gehabt hatte, konnte er sich seine Territorien aussuchen und übernahm die Organisation des reichen Orients, wo er auch Gelder für die Veteranen beschaffen sollte. Dagegen hatte Octavian in Italien viel schwierigere Aufgaben zu lösen. Weil sich Kleopatra angeblich im Bürgerkrieg zweideutig verhalten hatte, ließ Antonius sie Anfang 41 v. Chr. durch seinen Vertrauten Quintus Dellius nach Tarsos in Kilikien vorladen, wo der Kydnos ins Mittelmeer mündet. Dieser Grund ihrer Vorladung war wohl nur ein Vorwand; Antonius ging es eher um die Sicherung ägyptischer Hilfe für seinen geplanten Partherfeldzug, da Kleopatra die bedeutendste unter den Klientelherrschern des Orients war. Sie wusste, dass sich Antonius als neuer Dionysos feiern ließ und als genusssüchtig galt; danach richtete sie ihre Präsentation beim Einzug in Tarsos, den Plutarch anschaulich schildert. An Bord ihrer vergoldeten Pracht-
galeere mit Purpursegeln standen als Nereiden kostümierte schöne Mädchen sowie Lustknaben; sie selbst trat als irdische Inkarnation der Göttin Aphrodite bzw. deren ägyptischem Pendant Isis, d. h. in einer ge -
schickten Präsentation spärlicher Bekleidung, dem neuen Dionysos Antonius entgegen. Sie bat ihn, auf ihr Schiff zu kommen und empfing ihn offenbar in einer hocherotischen Atmosphäre. In den folgenden Tagen richtete sie luxuriöse Bankette für Antonius aus und laut den antiken Autoren war sie es, die ihn mit diesem Auftritt eroberte und nicht umgekehrt. Neben der persönlichen Komponente legten freilich auch politische Gründe für beide Seiten eine Kooperation nahe. Für die Bevölkerung stellte Kleopatra ihr Treffen mit Antonius auf eine religiöse Ebene und ließ verbreiten, dass Aphrodite zum Wohle Asiens zu Dionysos käme. Die Untertanen konnten in dieser Begegnung eine irdische Manifestation der sakralen Vereinigung von Aphrodite und Dionysos bzw. von Isis und Osiris sehen, die damals die Hauptgottheiten der östlichen Reli-
gionen darstellten.
Kleopatra empfing Marcus Antonius in einer hocherotischen Atmosphäre.
Kleopatra hatte nun erneut den mächtigsten Römer zu ihrem Geliebten gemacht und nutzte dessen Einfluss, um ihre ehemalige Rivalin und jüngere Schwester Arsinoe IV., ihren ungehorsamen Strategen Serapion und einen Mann, der sich für ihren verstorbenen Bruder Ptolemaios XIII. ausgab, aus dem Weg räumen zu lassen. Nach der vorläufigen Ordnung der politischen Verhältnisse in Syrien folgte Antonius der schon vorher heimgereisten Kleopatra nach Ägypten und verbrachte dort – anders als früher Caesar – als Privatmann den Winter 41/40 v. Chr. Kleopatra hielt ihren Geliebten ständig bei Laune. Laut Plutarch soll das Paar dauernd Bankette veranstaltet, Ulk getrieben und in Schwelgereien gelebt haben. Der Biograph berichtet nach Erzählungen seines Großvaters Lamprias vom enormen Aufwand für Antonius’ Festmähler. Weiters schildert er Streiche, die Kleopatra angeblich ihrem Geliebten wegen dessen mangelnder Angelkünste spielte; auch sollen die beiden wie später Harun ar-Raschid nachts verkleidet durch die Hauptstadt gestreift sein, allerdings um die Einwohner zu necken. Laut dem Historiker Appian trat Antonius dagegen staatsmännischer auf, indem er Tempel besuchte und mit Gelehrten diskutierte. Angeblich bewirkte nur das Liebesleben in Ägypten Antonius’ Untätigkeit im Perusinischen Krieg, den Fulvia, Antonius’ selbstbewusste Gattin, und Lucius Antonius, der Bruder des Triumvirn, gegen Octavian führten. Erst der Einfall der Parther veranlasste Antonius Anfang 40 v. Chr. zum Aufbruch nach Kleinasien, von wo er aber auf die Nachricht von Fulvias und Lucius’ Niederlage nach Italien zurückkehrte.
Marcus Antonius bei Kleopatra im Palast in Alexandria.
Kleopatra hält ihren Geliebten bei Laune...
...und sie feiert kräftig mit ihm mit. Im Hintergund ist der Verfasser dieser Seite zu sehen.
Kleiner Rückblick und die weiteren Geschehniss auf der nächsten Seite.
Ein kleiner Eintrag im Gästebuch würde mich freuen. Vielen Dank!