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Der Diktator spricht zum Volk in welchem es schon gewaltig rumort!



1982 beschloss Ceausescu, der sich inzwischen nach dem Vorbild des rumä- nischen Kriegsdiktators Antonescu "Conducator" (Führer) nennen ließ, keine neuen Kredite mehr aufzunehmen und Rumäniens Auslandsschulden zurück- zuzahlen. Dies sollte hauptsächlich durch den Export landwirtschaftlicher Produkte erreicht werden. In der Folge sank der Lebensstandard in Rumänien auf ein in Europa einmalig niedriges Niveau. 1982 wurden Lebensmittel rationiert. Ceausescu ließ ein "Programm zur rationalen Ernährung" entwickeln, dessen Verfasser, sein Leibarzt Iulian Mincu, von 1992 bis 1996 im nachrevolutionären Rumänien als Gesundheitsminister amtierte.
Fleisch war so selten zu erhalten, dass es nicht rationiert wurde, und wenn es Fleisch gab, dann meist Schweinefüße, die im Volksmund "Adidas" genannt wurden. Die Temperatur in den fernbeheizten Wohnungen wurde im Winter auf 12 °C gedrosselt, manchmal wurde tagelang gar nicht geheizt. Pro Haushalt durfte nur eine 25-Watt-Glühbirne eingesetzt werden, Stromausfälle gehörten zum Alltag. Ein Auto besaßen gerade mal 5 % der rumänischen Bevölkerung, 7,6 % einen Staubsauger, 14,7 % eine Waschmaschine und 19,6 % einen Kühl- schrank. Die Säuglingssterblichkeit war 1989 mit 26,9 % die höchste Europas, der Durchschnitt lag bei 9,8 %. In den rumänischen Waisenhäusern, zum Beispiel im Kinderheim Cighid in Oradea, wurden behinderte und ungewollte Kinder als Folgen des Dekretes 770 unter unwürdigsten Bedingungen wie Vieh gehalten, zusätzlich bestand das Phänomen der Straßenkinder in Rumänien. Das Fern- sehprogramm wurde täglich auf zwei Stunden (außer sonnabends und sonntags) verkürzt.


Trotz der verzweifelten Lage der Bevölkerung nahm Ceausescu neue Großpro- jekte in Angriff, die die Wirtschaftskraft des Landes völlig überforderten. 1984 wurde der Donau-Schwarzmeer-Kanal eingeweiht. Das wichtigste Bauprojekt war der heutige Parlamentspalast, das größte zusammenhängende Gebäude Europas. Das Baumaterial sollte ausschließlich aus Rumänien stammen. Auf den Palast führte eine dreieinhalb Kilometer lange, von Wohnbauten für die Funktionärs- oligarchie gesäumte Straße zu, vor dem Palast war Platz für eine Versammlung von 1 Million Menschen, zu denen Ceausescu vom Balkon aus sprechen wollte. Die Wohnungen waren bis 1989 jedoch nur Fassadenbau, d. h. auf der Rückseite sah man nur die Betonpfeiler. Es entstand bis dahin nur ein Geisterviertel. Für das Ensemble wurden die Bukarester Stadtviertel Uranus, Antim und Rahova abgerissen, das aus dem 18. Jahrhundert stammende kunsthistorisch wertvolle Vacaresti-Kloster und andere Kirchen wurden dem Erdboden gleichgemacht. Durchgeführt wurden die Bauarbeiten meist von der Armee.

Präsident Nixon auf Staatsbesuch beim "Conducator" Ceausescu.

Der "Conducator" Ceausescu auf Staatsbesuch in den Staaten ".

Präsident Carter auf Staatsbesuch in Bukarest.

Ceausescu und US-Präsident Jimmy Carter bei einer Vertragsunterzeichnung.

Trotz der innenpolitischen Zustände in Rumänien wurde Ceausescu aufgrund seines anscheinend UdSSR-kritischen außenpolitischen Kurses noch bis Mitte der 80er Jahre von westlichen Politikern unterstützt. Schon vorher besuchten ihn Präsident Nixon und Präsident Carter. 1983 besuchte ihn der damalige US-Vize- präsident George Bush, 1985 reiste das spanische Königspaar nach Rumänien. Von 1980 bis 1982 erhielt er Einladungen zu Staatsbesuchen in Frankreich, Schweden, Dänemark, Norwegen und Österreich, das letzte westliche Land, das er besuchte, war 1984 die Bundesrepublik Deutschland.

Ceausescu und Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl.

Die grüne Politikerin Petra Kelly sorgte beim Besuch des rumänischen Dikta- tors für Verstimmung, indem sie Ceausescu bei einem Bankett in Schloss Brühl eine Broschüre von amnesty international zur Menschenrechtslage in Rumänien überreichte. Zu internationalen Protesten führte erst das Programm zur Systematisierung der Dörfer, das Ceausescu nach längeren Planungen 1988 in Angriff nahm. Es sah vor, von etwa 13.000 rumänischen Dörfern 6.500 zu schleifen und die Bewohner in "agro-industrielle Zentren" umzusiedeln. In der Nähe Bukarests wurden die ersten dieser Zentren noch 1989 fertiggestellt. Die Wohnungen bestanden aus zwei Zimmern und einer vier Quadratmeter großen Küche ohne Wasserleitung, die sich mindestens sechs Personen teilen mussten, weil jede Familie mindestens vier Kinder haben sollte. Ein Badezimmer gab es nicht, im Hof befand sich das einzige WC des Wohnblocks. Im Erdgeschoss wohnte der für den Block zuständige Beamte der Miliz. Er weckte die Bewohner am Morgen auf, verteilte Spaten, Sensen und Heugabeln, begleitete sie zur Feldarbeit und schloss abends die Haustür ab. Zur Mittagszeit wurde aus Kanistern das gemeinsame LPG-Essen verteilt, die Miliz hatte eine gesonderte Kantine.

 


Die rumänische Revolution von 1989 war eine Kette von Demonstrationen, Unru- hen und blutigen Kämpfen, die vom 16. bis zum 27. Dezember 1989 in Timisoara, Bukarest und anderen rumänischen Städten stattfand. Sie führte zum Sturz und zur Hinrichtung des rumänischen Diktators Nicolae Ceausescu und seiner Frau Elena Ceausescu und zum Ende des realsozialistischen Systems in Rumänien.



Am 22. Dezember 1989 um 11:20 erhielt der Pilot von Ceausescus Flucht, Oberstleutnant Vasile Malutan, von Generalleutnant Horia Opruta den Befehl, zum Palastplatz zu fliegen, um dort den Präsidenten aufzunehmen. Beim Über- fliegen des Palastplatzes fand er aber keine Landemöglichkeit vor. So landete Malutan den weißen SA365N Dauphin Hubschrauber um 11:44 auf der Dach- terrasse, und wartete dort mit laufendem Motor. Malutan erklärte später "Dann kam Stelica, der Kopilot, zu mir und sagte, es würden Demonstranten auf die Terrasse zukommen. Dann kamen die Ceausescus heraus, beide praktisch ge- tragen von ihren Bodyguards ... Sie sahen aus als wären sie in Ohnmacht. Sie waren weiß vor Schreck. Manescu (einer der Vizepräsidenten) und Emil Bobu (Sekretär des Zentralkomitees), liefen gleich hinter ihnen. Manescu, Bobu, Neagoe und ein anderer Securitate-Offizier drängten sich auf die 4 Plätze hinten ... Als ich Ceausescu hereinzog, sah ich die Demonstranten über die Terrasse laufen ... Da war nicht genug Platz, Elena Ceausescu und ich waren zwischen den Sitzen und der Tür eingequetscht ... es waren nur vier Passa- giere vorgesehen ... wir hatten sechs."


Malutan zufolge hob der überladene Hubschrauber um 12:08, auf dem Weg zur Zweitresidenz des Diktators in Snagov, vom Dach des Gebäudes ab. Als sie dort kurz darauf um 12:20 ankamen, nahm Ceausescu Malutan mit in die Präsidenten- suite und befahl ihm zwei weitere Helikopter gefüllt mit Soldaten als Begleit- schutz, und einen weiteren Dauphin nach Snagov anzufordern. Malutans kom- mandierender Offizier antwortete am Telefon "Es gab eine Revolution ... Du bist auf dich allein gestellt ... Viel Glück!". Malutan sagte dann zu Ceausescu, dass der zweite Motor jetzt aufwärmen würde und sie bald weiter müssten, er könne aber nur vier der sechs Leute mitnehmen. Die zwei Mitglieder des Politbüros, Manescu und Bobu, blieben zurück. Ceausescu befahl Malutan nach Titu zu fliegen. Nahe Titu sagte Malutan, er würde jetzt den Helikopter auf und ab fliegen lassen. Als Vorwand gab er an, dies diene zur Vermeidung von Flugab- wehr-Feuer, in dessen Reichweite sie nun wären. Der Diktator geriet in Panik und ließ landen. Die Flucht mißlang.

Die Menschen beobachteten Ceausescus Flucht: "Seht her, er haut ab, der Feigling!"


An diesem Tag kam Milea unter lange Zeit ungeklärten Umständen ums Leben (eine Untersuchung von 2005 geht von einem misslungenen Versuch der Selbst- verstümmelung aus). Die Armee vermutete eine Hinrichtung und stellte sich – vermutlich auch deswegen – gegen das Regime. Die Armee und die Securitate trugen in Bukarest offene Straßenkämpfe aus, und viele wurden im Schuss - wechsel getötet. Ceausescu und seine Frau versuchten, in einem Schützenpan- zerwagen außer Landes zu fliehen. Soldaten der rumänischen Armee nahmen sie jedoch bei Tergowisch nördlich von Bukarest fest. Da die Securitate sich wei- gerte, die Waffen niederzulegen, wurde Ceausescu am 25. Dezember zusammen mit seiner Frau von einem eilig zusammengestellten Militärgericht im Schnellver- fahren zum Tode verurteilt. Die Durchführung dieses Verfahrens hatte Ceausescu unmittelbar vor seiner Festnahme durch die Einsetzung des nationalen Ausnah- mezustandes ermöglicht. Kurz vor 15 Uhr Ortszeit wurde Nicolae Ceausescu ge - meinsam mit seiner Frau Elena Ceausescu von den Offizieren Ionel Boeru, Octa- vian Gheorghiu sowie Dorin Carlan erschossen. Der Prozess wurde, mit Ausnahme des Moments der Hinrichtung, gefilmt und zusammen mit den Aufnahmen der Toten schnell landesweit und international mit der Begründung verbreitet, die Position der Einheiten der rumänischen Armee zu beeinflussen und so einen dro- henden Bürgerkrieg abzuwenden. Tatsächlich traten die regulären Truppen in den folgenden Tagen einheitlich auf die Seite des Volkes über.

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